"Umoja" im Deutschen Theater: Bis die Mauern erzittern

München - "Rhythmus ist Leben. Und in Afrika machen wir aus allen Ereignissen in unserem Leben Musik." Selbst dann noch, wenn einmal nicht alles eitel Sonnenschein ist. Und so haben durchaus auch ernste Themen wie Apartheid und die nach wie vor brandaktuelle HIV-Problematik ihren Platz bei "Umoja". Im Zentrum der Show aber steht trotzdem vor allem eines, die Freude an der Bewegung und an der Musik.

Als vorerst letzte Station ihrer Deutschland-Tournee ist die farbenprächtige Afrika-Revue von Todd Twala und Thembi Nyandeni im Deutschen Theater angekommen, wo sie vom Münchner Publikum begeistert aufgenommen wurde. Auch wenn es beim Mitklatschen nicht immer auf Anhieb mit dem richtigen Rhythmus geklappt hat.

"Umoja", das ist das Xhosa-Wort für den "Geist des Zusammenseins". Und getreu diesem Grundsatz lassen die rund 40 Sänger, Tänzer und Musiker das Publikum teilhaben an ihren feurigen Tänzen und den nicht minder kraftvoll dargebotenen A-cappella-Gesängen, mit denen im wahrsten Sinne des Wortes die Mauern zum Erzittern gebracht werden. Zum Glück aber sind die Macher von "Umoja" nicht in die Falle getappt, sich allein auf bunte Folklore zu verlassen. Selbstverständlich dienen die Traditionen des afrikanischen Kontinents und seiner Völker auch hier als Klammer und werden vom alten weisen Erzähler immer wieder in Erinnerung gerufen. Doch nach dem kurzen Auftakt mit seinen heftig pulsierenden Trommeln und wild stampfenden Stammestänzen kommt die Geschichte von "Umoja" relativ schnell in den Townships von Durban und Johannesburg an. Eben dort, wo die schwarze Musik in den 60er-Jahren auf "weiße" Instrumente traf und einen neuen, unverwechselbaren Musikstil entstehen ließ. Eine eigenwillige Mischung aus afrikanischen Rhythmen und swingendem Jazz, die direkt in die Beine ging. Nicht nur hier entpuppte sich die Show als Paradebeispiel dafür, wie selbst mit einfachsten Mitteln größtmögliche Wirkung erzielt werden kann. Da wird etwa eine an sich simple Choreographie schnell durch ungewöhnlichen Utensilien wie Mülltonnen und klappernden Getränkedosen aufgepeppt.

Wenn man der Show überhaupt ein Vorwurf machen kann: Sie droht einen mit ihrer überbordenden Energie manchmal zu überfahren. Zeit zum Luft holen gibt es hier kaum, dafür zwei Stunden volles Tempo, die den Zuschauer am Ende zwar erschöpft, aber glücklich in seinem Stuhl zurücklassen. Mit der wichtigen Erkenntnis, dass man sich im Leben seine positive Einstellung durch nichts und niemand nehmen lassen sollte.

Bis 7. Oktober,

Karten unter Tel. 089/ 55 23 44 44.

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