Umstrittene Breker-Schau in Schwerin lockt viele Besucher an

- Schwerin - Die umstrittene Ausstellung von Werken des Bildhauers Arno Breker (1900-1991) in Schwerin ist am Eröffnungswochenende auf reges Interesse gestoßen. Bis zum frühen Sonntagnachmittag seien rund 1000 Besucher im Schleswig-Holstein-Haus gezählt worden. Das teilten die Veranstalter mit. Im Gästebuch überwögen positive Einträge, allerdings gebe es auch kritische Stimmen.

Zwischenfälle wurden nicht bekannt. Am Freitag hatten am Rande der Eröffnung einige Künstler gegen eine Würdigung von Adolf Hitlers Lieblingsbildhauer protestiert. Bis zum 22. Oktober werden 70 Skulpturen aus dem Besitz der Familie Breker gezeigt.

Vor dem Ausstellungshaus hatte am Freitag die Schweriner Malerin Ute Laux eine Serie von "Blutkörperdrucken" zu Ehren von Verfolgten des Nazi-Regimes und Widerständlern ausgebreitet. Der Fotokünstler Walter Hinghaus aus Mecklenburg-Vorpommern verteilte ein Flugblatt mit Informationen zu Ernst Barlach und dem Schicksal von dessen Werken im Dritten Reich. Klaus Staeck, Präsident der Berliner Akademie der Künste, hat Brekers Arbeiten als "unausstellbar" bezeichnet.

Typisch für den Bildhauer sind an der Antike orientierte muskulöse, kraftvolle Körperdarstellungen. Kritiker sprechen von Heroisierung und Köperkult, von den Nazis für ihre Ideologie des germanischen Rassenwahns genutzt.

Die Schau mit dem Titel "Zur Diskussion gestellt: der Bildhauer Arno Breker" ist die erste allein Breker gewidmete Schau in öffentlichen Ausstellungsräumen seit 1945. Die Arbeiten sind chronologisch geordnet und mit Texttafeln zur zeit- und kunsthistorischen Einordnung versehen. Weitergehende Informationen bietet ein fast 200-seitiger Begleitband.

Brekers Witwe kündigte in der "Welt am Sonntag" an, sie werde auch weiterhin den Zugang zum Nachlass ihres Mannes verweigern. "Nein, ich will ja nicht, dass mir jemand die Beweise wegnimmt, die ich noch habe", sagte die 79-Jährige. "Mein Mann hatte immer den Standpunkt "Wer sich verteidigt, klagt sich an"." Sohn Gerhard Breker kritisierte, dass ein "Sturm der Entrüstung" losgehe, sobald eine Ausstellung mit Werken seines Vaters auch nur in Planung sei. Dies komme einem Arbeitsverbot gleich. Seine Familie bleibe dabei, dass Breker ein unpolitischer Mensch gewesen sei.

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