Unauffälliges in Schwarz-Weiß

- München ist ein gutes Pflaster für Filmfestivals. Das Sommer-Filmfest und das Dokumentarfilm-Fest sind Publikumsrenner. Und auch das Internationale Festival der Filmhochschulen hat sich endgültig als eigenständige Veranstaltung positioniert, unabhängig vom Filmfest, angenommen vom Publikum und in diesem Jahr zum ersten Mal mit der ursprünglich konzipierten Dauer von sechs Tagen. Dass fast alle Veranstaltungen ausverkauft waren, bedeutete einen Zuschauerzuwachs von 46 Prozent.

Eröffnet wurde das Filmschultreffen von "Der Wald vor lauter Bäumen" von Maren Ade, einem Streifen der HFF München, ebenso wie 2003 "Die Geschichte vom weinenden Kamel" - Ades Film kann man eine ähnliche Karriere zutrauen. Überraschend waren die Jury-Entscheidungen. Der Hauptpreis für den besten Film ging an "Fellow Travelers of the Fig" von Yegor Anashkin aus Russland. Ein unauffälliges Werk in Schwarz-Weiß, von dem zu erwarten war, dass es untergeht in der Fülle und dass es hinter aufwändigen westeuropäischen Werken verschwindet. Ein schönes Außenseiter-Votum ist das und eine Reverenz an die Kinogeschichte, denn Anashkins Filmschule in Moskau ist die älteste der Welt und verbunden mit Namen wie Eisenstein oder Tarkovsky.<BR><BR>Den Preis für die beste Regie erhielt ein deutscher Film, "Lormen" von Julia Daschner aus Köln, ein ebenso dezentes, aber feines Werk, das sich auf seine starken Bilder verlässt und in drei Minuten die Möglichkeiten des Kinos auslotet. "Lormen" fällt angenehm auf im Durchschnitt der anderen deutschen Hochschulfilme. Der lässt erahnen, dass die Mittel der deutschen Schulen doch vergleichsweise respektabel sind. Hält man einen chinesischen oder osteuropäischen Beitrag neben einen deutscher Studenten, dann wirken die hiesigen Werke wie Hochglanzkino, ohne dass die Geschichten deswegen stärker wären. Der Preis fürs beste Drehbuch ging an "Pleading" aus Israel, der Nachwuchspreis für den besten deutschen Film an "Meine Eltern" von Neele Leana Vollmar aus Ludwigsburg und der Panther-Preis für die beste deutsche Produktion an "Nie solo sein" von Jan Schomburg.<P> </P>

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