Unbedingte Lust am Spielen

Ulrich Matthes im Gespräch: - Ausverkauft. Wo auch immer diese Aufführung zu sehen ist, im Repertoire des Deutschen Theaters in Berlin oder an einem der Gastspielorte -­ seit drei Jahren heißt es "ausverkauft". Das Eheschlacht-Drama "Wer hat "Angst vor Virginia Woolf?" von Edward Albee, in der hochberühmten Inszenierung von Jürgen Gosch, ist an diesem Samstag und Sonntag in München, im Residenztheater, zu sehen.

Auf der Bühne fetzen sich zwei Stars des Theaters und des Films. Corinna Harfouch und Ulrich Matthes hauen sich als Martha und George gegenseitig ihr grandios mieses Leben um die Ohren.

Ulrich Matthes freut sich natürlich, wieder einmal in München zu spielen, schließlich war er als junger Schauspieler bis 1992 hier zu Hause, zunächst am Staatsschauspiel, dann an den Kammerspielen: "Ja, das Residenztheater ist mir eine vertraute Bühne. Ich war hier über zwei Jahre engagiert. Und es beschleicht mich durchaus auch ein sentimentales Gefühl."

Längst lebt er wieder in seiner Heimatstadt Berlin. Und mittlerweile gehört er dort, der heute einer der Herausragenden des deutschen Films ist, zum Ensemble des Deutschen Theaters. Matthes: "Ich hatte doch irgendwie wieder das Bedürfnis nach Kontinuität, danach, mich zu einem Ensemble zu bekennen. Immer wieder das Neue wagen -­ das, finde ich, geht besser zusammen mit Menschen, die einem vertraut sind. Denn zu Beginn einer Probenarbeit sind wir alle gleich doof, auch noch nach 25 Jahren Berufserfahrung. Jeder von uns fängt jedes Mal absolut von vorn an."

Nicht "doof" aber ist der Schauspieler in einer Inszenierung, die, wie die "Virginia Woolf", schon drei Jahre auf dem Buckel hat. Gibt es dennoch beim 80. Mal noch so etwas wie ein Aha-Erlebnis? Hat sich im Laufe der Zeit die Figur des George verändert? "Grundsätzlich gar nicht", sagt Matthes. "Aber im Detail extrem. Es ist bei Jürgen Gosch so, dass die Proben sehr offen gehalten werden, er aber doch genau weiß, wo er mit dieser Arbeit hin will. Die Premiere stellt quasi nur ein Zwischenstadium dar. Wir Schauspieler sind sehr dazu angehalten, uns immer situativ zu verhalten, das heißt, auf den Partner, aufs Publikum, ja, auch auf die eigene Tagesempfindlichkeit einzustellen."

Dem Augenblick hingegeben

Vorherrschend, so Matthes, "ist die unbedingte Lust am Vorgang des Spielens und der Offenheit gegenüber dem Partner. Das macht die Qualität dieser Aufführung aus: Sie ist ganz dem Augenblick hingegeben. Wir haben das Stück schon so oft gegeben; dennoch sagen wir nie: ach nee, nicht schon wieder. Wir bereiten uns auf die einzelne Vorstellung auch gar nicht weiter vor. Man tritt abends in die Manege -­ und dann macht‘s puff..."

Von München an die Spree zog einst der gebürtige Berliner Ulrich Matthes. Dort ist er mittlerweile so etwas wie eine künstlerische Instanz. Es ist zudem auch nicht zu überhören, wohin er sprachlich gehört. Brauchte er diese "dialektische" Erdung, um zu so großem Erfolg zu kommen?

Also ­ da empört er sich lachend ­ "ich hoffe doch, ich bin ein Kosmopolit! Aber im Ernst: Das Zuhausesein, auch in der Sprache, ist für mich sehr wichtig. Ich bin doch so lokalpatriotisch. Allerdings, ich kann auch Hochdeutsch."

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