Der Unbestechliche

- Heute feiert ein Mann, um den es ziemlich still geworden ist, seinen 85. Geburtstag. Dabei war er doch einer, der in seinen Rollen die Zuschauer in seinen Bann zog. Einer, von dem auf der Bühne eine kaum beschreibbare Faszination ausging. Einer, der die betörende Irrationalität des Theaters verkörperte. Der durch seine bloße Präsenz einer Aufführung den nötigen Hauch Erotik zufügte. Ein Mann von Wirkung: Romuald Pekny.

Über Jahrzehnte, seit 1958, war der gebürtige Wiener einer der ganz großen Protagonisten der Münchner Kammerspiele. Die österreichische Färbung seiner Sprache, seine markante Stimme, die abgründige Tiefe ebenso wie heitere Ironie, Härte wie Zärtlichkeit ausdrücken und darüber hinaus in noch tausend anderen Gefühlsregungen schillern kann, macht ihn, der noch immer mit Rezitationen und Lesungen vereinzelt auftritt, zu einer unverwechselbaren Persönlichkeit."Die Intelligenz gebietet es, dass einem die Bühnenbretter ab einem gewissen Alter nicht mehr die Welt bedeuten."Romuald Pekny, 1993

Das Theater ist eine flüchtige Kunst, bei der es gilt, den Augenblick zu erfassen, zu erkennen, ihn so gut es geht festzuhalten in der eigenen Erinnerung. Dennoch: Wer Romuald Pekny nicht in den berühmten Kortnerschen Shakespeare-Inszenierungen als Timon von Athen, Jago oder Richard III. sehen konnte - das war immerhin in den frühen 60er-Jahren -, wer ihn später nicht erlebt hat in Genets "Balkon", Heiner Müllers "Quartett", als Herzog in Goethes "Torquato Tasso", als Oberon in Botho Strauß' "Der Park" oder als Mann mit Mundgeruch in "Ein Klotz am Bein" -, dem hat er sich zumindest mit einer Rolle eingeprägt: "Fausts" Mephisto, inszeniert von Dieter Dorn, natürlich an den Kammerspielen (1987). Denn diese Aufführung wurde auch verfilmt. Herrlich, der arme Teufel als grandioser Komödiant; aasig, ironisch, boshaft, menschlich, eben die ganze, reiche Skala eines gefallenen Engels. Mephisto - der Höhepunkt in Peknys beeindruckendem Schauspielerleben.Begonnen hat das nach dem Zweiten Weltkrieg, als der junge Pekny nach siebenjährigem Soldatsein zurückkam in seine Heimatstadt Wien. Es lockte das Reinhardt-Seminar, wo er sich als Ältester seines Jahrgangs zum Schauspieler ausbilden ließ. So ein Talent wie dieser hochfahrende Idealist blieb damals nicht lange Student. Erstes Engagement in Linz, zu einer Zeit, als Schauspieler noch ihre eigene Garderobe mitbringen mussten. Doch Romuald Pekny aus dem Arbeiterbezirk Ottakring war so arm wie eine Kirchenmaus, konnte sich nichts Derartiges leisten. Aber er hatte Glück: Ein in Wien stationierter US-Militärpfarrer spendierte ihm 80 Dollar. Die Karriere konnte beginnen. Sie führte über Basel und Köln an die Münchner Kammerspiele. 33 Jahre war er hier. Peknys erste Rolle: Hofmannsthals "Der Unbestechliche".Unbestechlich ist der Schauspieler Zeit seines Lebens geblieben. Dass er 1991 diese beglückende Kammerspiele-Zeit abrupt und auch in Unfrieden beendete, muss, ja, kann nur ein Missverständnis gewesen sein. Schmerz auf allen Seiten.

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