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Der unbezähmbare Maler

- "Mars und Minerva waren noch nie große Freunde", schreibt 1604 K. van Mander über den Maler Michelangelo Merisi (1571-1610). Durch ebendiesen Merisi aber, nach seinem angeblichen Geburtsort Caravaggio genannt, wurden sie es. Der streitsüchtige Caravaggio und der weise Caravaggio, der hitzige und der höchst fortschrittlich denkende, der geschmähte und der gepriesene, der gejagte und der Freigeist - Caravaggios ambivalentes Künstlerleben auf der wissenschaftlich naturalistischen Schwelle zwischen Manierismus und Barock verband vor allem eines: die Wirklichkeit.

Seine Gönner, wie der Kardinal Francesco del Monte in Rom, lobten den einzigartigen Umgang mit Kontrasten, mit Licht und Schatten, die magische Szenen voller Dramatik erweckten und in deren Nachfolge "Caravaggisten" wie Rubens, Vermeer, Rembrandt oder Velázquez stehen. Seine Kritiker sahen in der Frömmigkeit der Heiligendarstellungen nur frivolen Schein. Denn seine Modelle waren wohlgenährt, derb, erotisch, hatten sonnengebräunte Gesichter und dreckige Fingernägel.

Der seit 1606 wegen Mordes gesuchte, flüchtige Maler fand sie in seinem unmittelbaren Umfeld, in den Straßen Roms, Neapels, Maltas, Siziliens. Das "enfant terrible der damaligen Kunstszene" nennt ihn auch der Generaldirektor des museum kunst palast in Düsseldorf, Jean- Hubert Martin. Für die heutige Kunstszene präsentiert er mit der ersten deutschen Einzelausstellung zum Gesamtwerk Caravaggios einen stolzen Meilenstein. Mehr als 30 Bilder aus internationalen Museen und Privatsammlungen zeigt "Caravaggio -Spuren eines Genies" in zwei nüchternen, hohen Hallenfluchten des museum kunst palast.

Der einzige Inszenator der Bilder bleibt Caravaggio selbst: re-volutionär die "Maria Magdalena in Ekstase", deren bloßgelegte verklärte Aufgelöstheit uns eher befremdet als anzieht; konträr zur weinenden "Maria Magdalena", welche dem Betrachter ihren Anblick verwehrt und dennoch zur innigen Andacht verleitet; das untypisch runde Antlitz Christi bei der intensiven Szenerie des "Gastmahl in Emmaus"; das grellweiße Licht, das wie der Blitz eines Fotografen frontal auf eine Rüstung in der "Gefangennahme Christi" fällt.

Einzig die Hängung des kessen "Amor als Sieger" verrät Fremdregie: Beinahe sarkastisch frohlockt er über einer Sammlung von Martyrien -darunter auch das be-rühmte Doppelselbstbildnis "David mit dem Haupt des Goliath". Lockere Themenfelder gliedern die Ausstellung, darunter ein halbes Dutzend Bildnisse Johannes des Täufers. Denn sie beschäftigt sich auch mit den zahlreichen Kopien, welche bereits zu Lebzeiten Caravaggios angefertigt wurden. Es finden sich hier Neuzuschreibungen, etwa ein "Ecce Homo" aus einer Privatsammlung, neben noch nie gezeigten Fassungen.

Neben einem reichen und weiterreichenden Katalog erscheint zur Schau auch das Taschenbuch "Maler Mörder Mythos. Geschichten zu Caravaggio" (Hatje Cantz Verlag,7,95 Euro). In diesem beschwören acht namhafte Autoren -etwa Andrea Camilleri oder Ingrid Noll -den geheimnisvollen, gleichwohl anrüchigen wie anrührenden Geist des unbezähmbaren Malers und vieler seiner Werke herauf. "Er gab uns den Spiegel der Zeit", fasst der schwedische Krimiautor Henning Mankell das ganze Wesen des Wirklichkeitslehrers Caravaggio in einem hommageartigen Gedicht über seine letzten einsamen Tage am Strand von Porto Ercole zusammen. 

Bis 7.1. 2007, Di-So, 10-20 Uhr. Info: 0211/ 8 99 24 60; www.museum-kunst-palast.de. Katalog: 24,50 Euro

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