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ARCHIV : Monika Gruber , zusammen mit Andreas Steinfatt bei der Wiesnbier-Probe von Paulaner und Hacker Pschorr (19.08.2008).

Merkur-Theaterpreis

„Und ich bin der Torero“

Kabarettistin Monika Gruber über volle Säle, Männer, Bildung und Erziehung.

Keine Verkleidung, kein Requisit – wenn Monika Gruber die Bühne betritt, hat sie nur ihr Mundwerk zur Verfügung, aber mit dem hält die 37-jährige Erdingerin ihr Publikum zwei Stunden lang in Atem. „Zu wahr, um schön zu sein“ heißt der jüngste Coup der Kabarettistin, die sich innerhalb nur weniger Jahre ganz nach oben gearbeitet hat. Zusammen mit dem Schauspieler Michael von Au und dem Sänger Michael Volle wird Monika Gruber dafür von den Lesern unserer Zeitung mit dem diesjährigen Merkur-Theaterpreis ausgezeichnet.

-Sie füllen inzwischen mühelos den Münchner Circus Krone, spielen vor 2000 Menschen. Haben Sie davon immer geträumt?Nein, nicht von so großen Hallen! Ich weiß noch, dass ich vor vielen Jahren Günter Grünwald im Lustspielhaus gesehen und gedacht habe: Muss das toll sein, wenn 200, 250 Leute kommen, nur um dich zu sehen und dir zuzuhören! Dass ich das auch einmal schaffe, das war immer mein Traum.

-Was ist anders, wenn man dann in den großen Arenen spielt?

Bei 2000 Leuten kommt sehr viel Power zurück. Das merkt man schon, bevor man auf die Bühne geht, an der Geräuschkulisse in der Halle. Das ist wie eine Bullenherde, die mit den Füßen scharrt. Und ich bin der Torero.

- Sie haben eine Ausbildung als Fremdsprachensekretärin, haben auch einige Jahre in Ihrem Beruf gearbeitet. Inwieweit profitierten Sie davon auch als Künstlerin?

Mir hat der Beruf Selbstvertrauen gegeben. Ich hätte mir das nicht zugetraut, nach der Schule gleich auf die Schauspielschule zu gehen. Ich war von Haus aus eher zurückhaltend – ob Sie’s jetzt glauben oder nicht. Am Ende war es die Frustration im Job, die mich dazu veranlasst hat zu sagen: Das ist nicht das, was ich ein Leben lang machen möchte. Ich möchte das machen, wovon ich immer geträumt habe.

-Frustration im Job?

Ja, ich musste einfach einen bestimmten Grad der Verzweiflung erreichen, um zu sagen: Mir ist das Finanzielle völlig wurscht, denn wie das hier abläuft, wie die Chefs hier absahnen ohne Rücksicht auf die Firma und die Mitarbeiter, das halte ich nicht länger aus. Die riskieren, dass das ganze Unternehmen dabei draufgeht – und so ist es dann ja auch gekommen.

-Wie kamen Sie von der Schauspielschule zur Comedy, zum Kabarett?Das war mehr oder weniger Zufall. Ich habe parallel zur Schauspielschule schon beim Georg Maier auf der Iberlbühne gespielt und zu seinem 60. Geburtstag eine kleine, fünfminütige Nummer selbst geschrieben. Das hat auch der Regisseur Helmut Milz vom Bayerischen Rundfunk gesehen und mich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, auch fürs Fernsehen Nummern zu schreiben. So bin ich zunächst zu „Kanal fatal“ gekommen. Damals habe ich parallel zur Schule und zum Theater viel gekellnert – das war die Geburtsstunde der „Kellnerin Monique“. Später war ich bei Günter Grünwald und den „Komikern“. Und irgendwann hat mich der Günter gefragt, warum ich nicht ein eigenes Soloprogramm mache. Er würde auch zur Premiere kommen, sich in die erste Reihe setzen und lachen. Und so kam es dann auch.

-Wenn man Ihr aktuelles Programm sieht, sucht man unwillkürlich nach der echten Monika Gruber hinter der Bühnenfigur. Zum Beispiel, was die Männer angeht...Natürlich verarbeite ich da Erfahrungen von früher, aus meinem Dasein als Single.

-Klingt schon alles sehr echt...Ja komisch, vor allem Frauen, die mein Programm sehen, nehmen das eins zu eins und drücken anschließend ihr Bedauern aus, dass ich meinen Traummann wohl noch nicht gefunden hätte. Eine hat sogar gemeint, ich solle mich doch bitte jetzt beeilen mit dem Kinderkriegen, sie höre meine biologische Uhr ticken. Aber das ist Spaß, Spaß an Pointen, Spaß an Vorurteilen, an Klischees. Es gibt nix Besseres als ein gepflegtes Vorurteil oder ein gepflegtes Klischee, und es gibt ja auch Klischees, die sich als sehr wahr entpuppen.

-Kindererziehung ist ein großes Thema...Ja, wenn ich sehe, dass die Leute sich von ihren eigenen Kindern auf der Nase herumtanzen lassen. Und wenn man dann was sagt, ist man sofort kinderfeindlich. Was aber ein Schmarrn ist. Ist es so schwer zu begreifen, dass Kinder nach Grenzen suchen? Stattdessen kriegen sie Tabletten gegen Hyperaktivität. Neulich sind nach der Vorstellung zwei Erzieherinnen auf mich zugekommen und haben gesagt: „Genau so, wie Sie es beschreiben, ist es – aber eigentlich ist es noch viel schlimmer.“

-Haben Sie dann auf der Bühne auch einen pädagogischen Anspruch?Ja, schon. Weil es mich schockiert, wenn ich sehe, wie manche Leute ihre Kinder erziehen – beziehungsweise nicht erziehen. Ich frage mich dann, was aus solchen Kindern wohl wird.

-Auch die Bildung liegt Ihnen am Herzen...Das Problem ist nicht das Geld, nicht die kaputte Waschmaschine. Die gibt’s neu vom Sozialamt. Das Problem ist, dass Kinder in vielen Familien gar nicht zum Lernen angehalten werden. Denen wird keine Perspektive vermittelt. Klar fehlen da auch mal die fünf Euro für den Schulausflug, aber dann frage ich mich, warum der Staat den Familien mehr Kindergeld zahlt, anstatt Tagesstätten oder Kinderkrippen zu fördern, sodass das Geld den Kindern direkt zugute kommt.

-Wenn Sie Königin von Bayern wären, was würden Sie ändern?Ich möchte gar nicht Königin sein. Aber wenn ich was ändern könnte, würde ich unser antiquiertes Schulsystem reformieren. Ich würde die Kinder nicht nach der vierten Klasse trennen, sondern sie länger zusammen lassen. Nur so können die Talente der Kinder, die sich unterschiedlich schnell entwickeln, optimal gefördert werden. Und ich würde viel mehr Geld investieren in eine Kombination aus Kinder- und Altenbetreuung. Es gibt so Pilotprojekte, da helfen rüstige Senioren bei der Kinderbetreuung, gehen mit den Kleinen in die Natur, basteln mit ihnen, lesen ihnen etwas vor. Das hat den schönen Effekt, dass die Alten weniger Medikamente brauchen, teilweise sogar ihre Gehhilfen stehen lassen. Die fühlen sich wieder gut, weil sie gebraucht werden.

-Was bedeuten Ihnen Preise?Mich freuen Preise vor allem für meine Eltern. Dass ich meinen Beruf aufgegeben habe, um auf die Bühne zu gehen, war für die ein großer Schock. Wenn jetzt der eine oder andere Preis kommt, dann sehen auch meine Eltern: „Aha, ’s is doch was wor’n aus dem Deandl!“

Das Gespräch führte Rudolf Ogiermann

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