"Undine": Frau für besondere Fälle

- "Ich möchte mich vom ,Regietheater abgrenzen und lieber dem Stück auf den Grund gehen." Klingt ziemlich entschlossen. Aber wenn Claudia Doderer solche Sätze sagt, mit zurückhaltendem Tonfall und manchen Pausen des Nachdenkens, merkt man schnell, dass da keine Kämpferin fürs Traditionelle oder Verstaubte am Werk ist.

"Atmosphärisch verführen" wolle sie ihr Publikum nämlich, sich dabei "einfach unbelastet" an ein Stück wagen.

Herausgesucht hat sich Claudia Doderer dafür eine ziemlich harte Nuss. Albert Lortzings "Undine", das Zauberstück eines Spielopern-Spezialisten, ist nicht gerade ein Hit des Repertoires. Das Münchner Gärtnerplatztheater bringt das 1845 uraufgeführte Opus am kommenden Sonntag neu heraus, Andreas Kowalewitz dirigiert. Und Claudia Doderer ist wieder ­ wie beim dortigen, sehr geglückten "Idomeneo" ­ für Regie, Bühnenbild und Kostüme verantwortlich.

Es ist eine Dreiecksgeschichte. Die Nixe Undine und Ritter Hugo sind ein Paar, doch er interessiert sich bald für die Fürstin Bertalda und verstößt Undine. Auf der Hochzeitsfeier von Hugo und Bertalda wird der untreue Ritter zur Strafe ins Wasserreich entführt. Eine Oper, die man psychologisch deuten mag. Oder die einen hochambitionierten Regisseur dazu verführen könnte, alles ins ach so aktuelle Heute zu holen. Claudia Doderer bleibt konsequent: "Das Stück spielt 1435, und da wird es auch bleiben." Was nicht heißt, dass sie nun ins kunsthistorische Puzzeln geraten ist. Doch die Welt der Gotik möchte sie zum Ausgangspunkt nehmen, sie stilisieren ­ letztlich aber beim Märchen bleiben.

Befreiung von der Waschmaschine

"Ich wollte so etwas Bilderbuchartiges, als ob man Seite für Seite umblättert", sagt Claudia Doderer und weist darauf hin, dass die Gotik mittlerweile wieder eine große Rolle spielt ­ wie sie auch bei ihrem 14-jährigen Sohn feststellen konnte. "Man denke nur an ,Herr der Ringe’ oder die Gothic-Mode. Gerade in so einer orientierungslosen Zeit wie jetzt kommt das alles wieder hoch. Außerdem kann es ja auch mal befreiend sein, sich einer illusionistischen Welt hinzugeben ­ und nicht die Waschmaschine auf der Bühne zu entdecken, die man schon zu Hause im Keller stehen hat."

Eigentlich ist Claudia Doderer Bühnen- und Kostümbildnerin. Die gebürtige Wiesbadenerin studierte bei ästhetisch so unterschiedlichen Größen wie Achim Freyer sowie Ursel und Karl-Ernst Herrmann und lebt in Berlin. Als Ausstatterin arbeitete sie an verschiedenen Häusern, so auch am Münchner Gärtnerplatz ­ bis sie dort Intendant Klaus Schultz mit einer Opernregie, eben dem "Idomeneo" betraute. Die Standard-Stücke sind ihr bislang nicht allzu häufig untergekommen, Claudia Doderer gilt in der Szene als Frau für besondere Fälle.

Wenn sie über ihre Arbeit spricht, dann fallen oft Beggriffe wie "echt", "pur" oder "Klarheit". Ganz vorsichtig scheint sich Claudia Doderer an die Stücke heranzutasten, ohne Konzept-Keule: "Ich will gerade die ,Undine’ nicht beschweren, weder ästhetisch, noch durch eine übergeordnete Idee. Heute wird alles immer gleich gedeutet und therapiert, ich will die Konflikte des Stücks aber gar nicht lösen. Dem Zuschauer soll einfach ein Freiraum gelassen werden. Ich als Regisseurin genieße die Freiheit, nicht die Macht."

Die Sänger scheinen das zu goutieren. Anfangs habe sie Angst vor dieser Arbeit gehabt, mittlerweile sei von ihr und den Mitwirkenden, was das ungewohnte Stück betrifft, eine Last abgefallen. Eine Besonderheit hat sie sich freilich einfallen lassen: Dialoge gibt es nicht, sondern nur die Musiknunmern, die durch kurze, pantomimische Szenen miteinander verbunden werden. Es entfällt also Lortzings oft gestelzter Text, mit dem die Solisten ihre liebe Not haben. "Lortzing selbst hat wenig von seinem eigenen Text gehalten, letztlich habe ich also nur seinen Wunsch erfüllt. Auch eine Art von Werktreue."

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