Uneingeschränkte Liebe

München - Das Münchner Opernhaus wurde vor 50 Jahren wiedereröffnet. Die „Freunde des Nationaltheaters“ engagieren sich seit den Fünfzigern für seinen Erhalt.

„Wir sind nicht glamourös, und die Oper ist auch nicht unser Geschäftspartner.“ Mit diesem Bekenntnis verweisen die „Freunde des Nationaltheaters“ auf das, was sie dem vor 50 Jahren wiedereröffneten Haus am Max-Joseph-Platz als lebendiger Münchner Institution entgegenbringen: uneingeschränkte Liebe. Wenn der heute fünfköpfige Vorstand dieses 1951 gegründeten, gemeinnützigen Vereins aufmarschiert, um Auskunft über Historisches und Aktuelles zu geben, ist oft auch bei den gestandenen Männern wie dem Ersten Vorsitzenden Berthold Eichwald und den Vorständen Andreas Bittkau oder Monsignore Siegfried Kneißl die Rede von Emotionen.

Sie geraten ins Schwärmen über große Sänger und Dirigenten oder auch einen ergreifenden Pilgerchor in einem Repertoire-„Tannhäuser“. Barbara Malisch, seit 2013 Vorstandsmitglied, hat spontan die Erklärung parat und zitiert Napoleon: „Die Musik hat von allen Künsten den tiefsten Eindruck auf das Gemüt. Der Gesetzgeber sollte die Musik am meisten unterstützen.“

Dass die „Freunde des Nationaltheaters“ dem Staat das nicht allein überlassen, beweisen sie seit mehr als einem halben Jahrhundert. Zwölf Gründungsväter hoben den Verein aus der Taufe und forcierten mit Tombolen und Sonderveranstaltungen den Wiederaufbau des 1943 zerstörten Nationaltheaters im historischen Gewand. Mit einem Spendenbetrag von 6,5 Millionen Mark unterstützten die „Freunde“ die insgesamt 67,7 Millionen Mark teure Rekonstruierung des 1963 wieder eröffneten Nationaltheaters. München hatte seine Oper wieder, und die „Freunde“ lebten weiterhin für und mit der Oper. Auch wenn es den „Freunden“ – mittlerweile zählt der Verein 800 Mitglieder – nicht um Glamour geht, so setzten sie in der Vergangenheit das Haus doch ins rechte Licht. Sie spendierten den dekorativen Kristall-Lüster im Zuschauerraum und ließen den nach einem Brand zerstörten Bühnenvorhang neu weben.

In jüngster Zeit schenkten sie der Bayerischen Staatsoper für 120 000 Euro einen neuen Konzertflügel, beteiligten sich mit 100 000 Euro an der neuen Bestuhlung (2012) und unterstützten mit gleicher Summe die „Aufmischung“ der altehrwürdigen Porträt-Galerie mit zeitgenössischen Sängerbildern (2013). Übrigens, wie es Prinzip des Vereins ist, ohne Einmischung. Die Steinway-Auswahl überließ er einem Fachmann, dem Pianisten Rudolf Buchbinder. Alle Vereinsmitglieder, die für den Flügel in die Tasche griffen, erhielten als originelles Dankeschön eine alte Klaviertaste mit Autogramm von Kent Nagano. Schon für 200 Euro im Jahr kann jeder Freund oder Freundin des Nationaltheaters werden und wird zu einem „Freunde“-Akademiekonzert im Nationaltheater eingeladen.

Natürlich spenden einige Mitglieder „deutlich mehr“, wie Vorsitzender Berthold Eichwald verrät, der alle zwei Jahre einen „Bettelbrief“ zu einer Sondersammlung verschickt. Gelegentlich werden  die „Freunde“ auch in einem Testament bedacht. Neben der finanziellen Unterstützung – auch für kleinere Aktionen der Bayerischen Staatsoper (Zuschuss für das Attacca-Jugendorchester oder Kinder-Projekte, für Monatshefte oder Blumenschmuck) – kümmern sich die „Freunde“ um den Nachwuchs: Sie engagieren sich fürs Opernstudio, für die Orchesterakademie des Bayerischen Staatsorchesters und für die Bayerische Theaterakademie. Deren nächste Produktion, die Münchner Erstaufführung der „Salomé“ von Antoine Mariotte, geht mit „Freundes“-Hilfe am 28. Februar über die Bühne des Prinzregententheaters.

Nicht nur dem Sänger-Nachwuchs widmen die „Freunde“ ihre Aufmerksamkeit. Auch den alten Stars gilt ihre Treue. Einmal im Jahr bitten sie ehemalige Sänger der Staatsoper zu einem festlichen Essen – Erinnerungen inbegriffen. Eine herausragende Ehrung verleihen die „Freunde“ alle zwei, drei Jahre an junge durch ihre Musikalität, Technik und Persönlichkeit auffallende Dirigenten: den Carlos-Kleiber-Preis, dotiert mit 10 000 Euro. Constantinos Carydis war 2011 der erste Preisträger.

Natürlich sind die „Freunde des Nationaltheaters“ leidenschaftliche und oft eifrige Opernbesucher. „Bei uns kommen alle Meinungen vor“, bestätigen die Vorstände und erzählen lachend, dass der Unmut nach einer missfallenen Premiere spätestens bei der Neugier auf die nächste verflogen ist. Besondere Schmankerl für die „Freunde“ sind neben dem eigenen Akademiekonzert (kommenden Sonntag erstmals mit Kirill Petrenko), das Passionskonzert des Opernstudios und „hautnahe“ kleine Auftritte im Hubertussaal oder bei Probenbesuchen. Etwa beim Staatsopernchor, als er für die „Götterdämmerung“ fit gemacht wurde. Der Vorstand berichtet begeistert: „Am Schluss durften wir alle bei ‚Hagen, was tust Du?‘ mitsingen.“

Auch wenn es um die oftmals heiß begehrten Karten für die Opernfestspiele geht, „wird man bei den Freunden nicht enttäuscht“. Die Bestellfrist ist günstiger, die Preise natürlich nicht. Wer gerne einmal in andere Opernhäuser hineinschnuppert, kann mit den Münchner „Freunden des Nationaltheaters“ sporadisch auf Reisen gehen. Nach der Dresdner Semperoper steht heuer ein Besuch der Mailänder Scala an, wo Daniel Barenboim Mozarts Oper „Cosí fan tutte“ dirigiert. Ein Privatkonzert in einem Palazzo und ein Besuch im Verdi-Haus runden die Reise ab. Sie war nach wenigen Stunden ausgebucht. Was beweist, dass die „Freunde des Nationaltheaters“ nicht nur ihr Münchner Haus lieben, sondern die Oper, ja die Musik überhaupt und überall.

Gabriele Luster

Informationen:

www.freunde-des-nationaltheaters.de oder Telefon: 089/ 53 10 48.

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