Unendlich verliebt

- Er hätte sich auch von Hans Werner Henze schrecken lassen können. Von seinen Gruselstorys über den Föhn, Wolpertinger-Bisse und durch Radi verursachte Winde, die der entsetzte Komponist auftischte, als er von der neuen Aufgabe seines Freundes erfuhr. Doch Sir Peter Jonas wagte den Sprung an die Isar und amtiert seit September 1993 als Intendant der Bayerischen Staatsoper. Für seinen kulturpolitischen Einsatz (der ja hauptsächlich vom Freistaat bezahlt wird) revanchierte sich nun die Stadt München mit dem Kulturellen Ehrenpreis.

<P>"Das Gegenteil eines elitären Hochkulturinstituts" sei die Staatsoper durch ihn geworden, lobte Oberbürgermeister Christian Ude bei der Verleihung im Alten Rathaussaal - um sich dann den heiklen Zuschusskürzungen zu widmen. Ein Thema, das auch der Geehrte ausführlich behandelte, der in seiner leidenschaftlichen und hintergründigen, sehr persönlichen und berührenden Rede die Politiker ins Visier nahm: "Das Misstrauen gegenüber Autoritäten sollte oberste Bürgerpflicht sein."</P><P>Die Politiker liebten ihre Aufwertung durch die Kulturinstitutionen, sagte Jonas, was sie jedoch zur fälschlichen Ansicht verleite, "dass dies Besitztum schafft". Der Intendant appellierte, Geld für die Kunst auszugeben und Kürzungen in diesem Bereich "nicht für die Deckung der Löcher im Staatshaushalt" zu missbrauchen. Er regte darüber hinaus eine gemeinsame Anstrengung von Stadt und Staat an, um mit dem weltweit einmaligen kulturellen Potenzial Münchens zu wuchern, denn: "Das Beste an Bayern ist nicht die Fabrikation von Autos, ist nicht Fußball oder Bier, sondern die Kultur." Mehrfach betonte Jonas, der Preis gelte nicht ihm allein, sondern der gesamten Bayerischen Staatsoper, ein Haus und ein Ensemble, in das er noch immer "unendlich verliebt" sei.</P><P>Weniger mit dem Preisträger, vielmehr mit Definition und Rolle von Kultur und Kunst befasste sich Frankfurts Schauspiel-Chefin Elisabeth Schweeger - die damit in ihrer Laudatio an der Themaverfehlung vorbeischrammte. An Sir Peter Jonas rühmte sie besonders die programmatische Neuausrichtung der Staatsoper. Er habe gezeigt, "dass altes Gold nicht glänzen kann, wenn man es nur aufpoliert, sondern wenn man es weiterverarbeitet".</P>

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