Der weiße Mann tanzt: Die Jackson-Doppelgänger sorgen für atemberaubende Stimmung.

Heiligenverehrung, Hits und Glitzeroptik: Die Michael-Jackson-Show „Thriller Live“ im Deutschen Theater

Der unendliche König

München - Ob Black oder White, ob Billie oder Jean – an diesem Abend gab’s für alle Fans im Deutschen Theater nur ein Motto: Wir sind Jacko!

Die Premiere der Michael-Jackson-Show „Thriller Live“ (bis 2. August) geriet zum postumen Triumph für den größten anzunehmenden Entertainer, für den Mondfahrer unter den Popstars. Über zwei Stunden lang war’s ein Jauchzen und Juchzen und Kieksen im Theaterzelt , bei einer toll inszenierten Show. Am Ende moonwalkte das Publikum heim, darunter viele Jacko-Doppelgänger mit Hut und Handschuh. Und der eine oder andere Herr überprüfte mit routiniertem Jacko-Kontrollgriff, ob vor lauter Aufregung noch alles am rechten Platz war. Michis Mondfahrt in München : This Is It!

Um eine Handlung, um Dialoge haben sich die Produzenten der Londoner West-End-Show gar nicht erst bemüht – sie entfallen ersatzlos. Gut so. Die Handlung war eh nicht das Stärkste im Leben des Michael, die Musik war immer besser. Also keine Anspielungen auf kleine Buben und gruselige Gesichts-OPs – sondern einfach nur Jacko-Hits pur. Ein Thriller fast ohne Füller, in glitzernder Hightech-Szenerie mit unzähligen LED-Spielereien auch optisch erstklassig auf die Bühne gebracht. Obwohl die vielen Jubel-Einblendungen („Thriller war 37 Wochen Nummer eins!“) dann doch zu viel der Heiligenverehrung waren.

Jung, unschuldig und mit glockenheller Stimme: Mittchell Zhanghaza als Kinderstar Michael Jackson.

Gleich ein halbes Dutzend Ersatz-Jackos steht im Fröttmaninger Neverland auf der Bühne. Den Anfang macht der 14-jährige Mittchell Zhanghaza, der „I Want You Back“ und „ABC“ glockenhell wie ein Zeiserl singt – umgeben von seinen „Brüdern“ geht es zurück in eine Zeit, als die schräge Sippe noch unschuldig aussah. Da kommt echtes Jackson-5-Feeling auf, selbst Sklaventreiber-Vater Joe wäre zufrieden. Doch schon bald wütet das Disco-Fieber, mit den Hits aus „Off The Wall“, und mit einer grandiosen Band, die Funk, Soul, Disco in tighter Motown-Qualität abliefert.

Restlos überzeugen kann (naturgemäß) keiner der Doppelgänger. Die, die grandios singen (vor allem Peter Murphy , der auch schon Freddie Mercury doubelte), versuchen gar nicht erst, Jackson auch optisch nahezukommen – an einen korpulenten Herrn, eine Frau oder einen blassen weißen Jüngling als King of Pop muss man sich gewöhnen. Und Ricko Baird, der Haupt-Michael, kopiert mit Hut, weißem Anzug („Smooth Criminal“) und Moonwalk (Kreisch!) Jacko visuell und tänzerisch so gut, wie man einen Giganten nur kopieren kann – so lange der Superstar tot ist, dürfte es kaum einen besseren Jackson geben. Doch ihm geht in den hohen Lagen das stimmliche Talent aus.

Aber der, der alles in Perfektion konnte, singen, tanzen und in guten Zeiten dabei auch noch prächtig ausschauen – der steht jetzt nun mal auf einer ganz anderen Bühne. Mit vereinten Kräften kriegt die Truppe jedenfalls einen famosen Michael Jackson hin. Und natürlich sind der Basslauf aus „Billie Jean“ und der atemberaubende „Earth Song“ allein schon den Besuch wert.

Weitere Aufführungen

bis zum 2. August; Telefon: 089/55 23 44 44.

von Jörg Heinrich

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