Unerfüllte Sehnsucht nach der Schönheit

- Wahrscheinlich ist sie leichter in Baumärkten anzutreffen als bei Vernissagen. Isa Genzken, die scheue Künstlerin (1948 in Bad Oldesloe geboren), wird im kommenden Sommer den deutschen Pavillon in den Giardini der Biennale von Venedig (wir berichteten) nicht nur bespielen, sondern sicher auch gestalten.

Kurator Nicolaus Schafhausen, Chef des Rotterdamer Kunstinstituts Witte de With und der Europäischen Kunsthalle Köln, hat sie für die traditionsreichste Weltausstellung der Kunst auserkoren.

Damit setzt er, wie viele Kollegen vor ihm, nicht auf stolze Repräsentationsobjekte. Denn es ist tatsächlich so, dass Genzken Baumärkte nach Dekorationsfolien, Monster-Blumen, Riesen-Gläsern und anderem Krusch durchforstet. Gefälliges wird man von dieser mittlerweile international hochangesehenen "Bildhauerin" nicht zu Gesicht bekommen. Obwohl sie mit dem Hübschen, dem Nestbau-Kuscheligen spielt. Aber all der Tand beschreibt echte und ästhetische Armut und die Sehnsucht nach dem Schönen, die sich wohl nie erfüllt. Deswegen dürfte es spannend werden, wie Genzken auf das "Häuschen" in Venedig reagieren wird.

Das Münchner Lenbachhaus begleitet die Entwicklung der Künstlerin schon seit langem. Zu sehen waren ihre Raum-durchstoßenden "Ellipsoide" aus Holz. Dann wurden die Materialien kruder, unfertiger, irritierender: Beton-Elemente wie von der Bauschutthalde - Architektur als melancholische Ruine, aber ohne Charme.

Man kann in der ständigen Ausstellung stets Arbeiten von ihr besichtigen. Das gipfelte in der Verleihung des Münchner Kunstpreises 2004 der Kulturstiftung der Stadtsparkasse (50 000 Euro). Isa Genzken hatte damals gleichzeitig einen öffentlichen Auftritt auf dem Museumsplatz vor den Propyläen, wo sie neben Vitrinen mit ihren Schmuddel-Skulpturen sogar der Straßenlampe eine mächtige Blume aufsteckte.

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