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Klaus Lemke am Samstag mit dem Norddeutschen Filmpreis. Das Filmfest München lehnte „Dancing with Devils“ ab.

„So unerwartet wie ein Splitter aus dem Paradies“

München - Regisseur Klaus Lemke erhält für „Dancing with Devils“ den Norddeutschen Filmpreis – das Filmfest München wollte den Film nicht zeigen.

Der Außenseiter hat es allen gezeigt: Am Samstag erhielt der Münchner Regisseur Klaus Lemke den mit 20 000 Euro dotierten Norddeutschen Filmpreis, der erstmals in der Kategorie „Bester Fernsehfilm“ verliehen wurde. Lemkes „Dancing with Devils“ hat sich im Wettbewerb gegen zwei starke Konkurrenten, die Verfilmung von Marcel Reich-Ranickis Erinnerungen „Mein Leben“ mit Matthias Schweighöfer in der Hauptrolle und den Krimi „Mörder auf Amrum“ (unter anderem mit Barbara Rudnik), durchgesetzt.

„Film ist klassischer Jungs-Sport“, sagte Lemke in seiner Dankesrede vor den 800 Gästen in Lübeck mit „gewohnt schäbig-fiebriger Eleganz“ – „da kriegst du mehr aufs Maul als Küsse im Dunkeln“. Deshalb komme dieser Preis für ihn auch „so unerwartet wie ein Splitter aus dem Paradies“. Die Jury entschied sich für „Dancing with Devils“, einen erbarmungslos authentischen und packend erzählten Drogen- und Rachethriller, weil er einprägsame Bilder für seine komplexe Geschichte findet (siehe unten).

Die Auszeichnung aus dem Norden für diesen Lemke-Film muss die Macher des Münchner Filmfests um dessen Chef Andreas Ströhl besonders überraschen. Sie haben sich im vergangenen Jahr geweigert, „Dancing with Devils“ in München überhaupt zu zeigen. Bei der Filmfest-Eröffnung im Mathäser protestierte Lemke damals gegen diese Entscheidung und forderte die Absetzung von Ströhl. Darauf angesprochen, sagte der Filmemacher gestern im Gespräch mit unserer Zeitung: „Die beste Rache ist Erfolg.“

Der 69-jährige Lemke ist so etwas wie der letzte Straßenkämpfer im Filmgeschäft und sicher der unabhängigste und radikalste deutsche Regisseur: Er arbeitet ohne festes Drehbuch, ohne öffentliche Gelder („Förderung aus Steuermitteln war von Anfang an Gift für das System.“) und mit Laien von der Straße. Auf diese Art entdeckte er etwa Iris Berben, Wolfgang Fierek oder Dolly Dollar. Gerade hat Lemke, der in den Siebzigern gerne „König von Schwabing“ genannt wurde, seine neue Komödie „Schmutziger Süden“ (nach langer Zeit wieder ein München-Film) für die Berlinale eingereicht.

Die 20 000 Euro Preisgeld von Samstagnacht investiert er jetzt in eine neue Kamera, den Rest verteilt er an sein „Devils“-Team. „Denn meinen nächsten Film, ,Abenteuer auf Fuerte‘, fange ich wieder ohne Geld an. Geld schadet nur.“ Die Juroren des Norddeutschen Filmpreises meinten auch Überzeugungen wie diese, als sie Klaus Lemke am Wochenende für „seine Radikalität und Konsequenz“ auszeichneten.

Das sagt die Jury:

„Liebe, Rache, Einsamkeit und Sehnsucht stehen in ,Dancing with Devils’ im Mittelpunkt. Dabei zeigt sich Klaus Lemke einmal mehr als Meister der einprägsamen Bilder, dem es mit wenigen Einstellungen gelingt, eine komplexe Geschichte zu erzählen. Das Besondere an dieser präzisen, aber nie bedeutungsüberfrachteten Studie sind die großartigen Laienschauspieler, die den Figuren eine berührende Glaubwürdigkeit verleihen. Die Jury zeichnet Klaus Lemke auch für seine Radikalität und Konsequenz des Filmemachens aus.“

von Michael Schleicher

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