Unfassbar wie im Film

- Der 11. September 2001: Der Anschlag auf New York, der Unglaube, die Verzweiflung, das blanke Entsetzen - alles schon da gewesen. Hollywood hat die Katastrophe lange zuvor im Film konstruiert. Ausschnitte aus "Superman" und "Armageddon", "King Kong" und "Godzilla" ergeben zusammen die Chronik des Terrorfluges auf das World Trade Center.

Die Frage ist: Hat der Film die Terroristen inspiriert? Oder waren es die Bilder, die die Nachrichtenmacher zu selektiven Wiedererkennungs-Bildern verleiteten? Auch wenn Michal Kosakowski zur zweiten Theorie tendiert, es wird wohl beides wahr sein. Genau deswegen ist es extrem packend, wenn er aus 418 Filmszenen von 52 Hollywood-Streifen einen eigenen Spielfilm des Schreckens kreiert.

Die lothringer 13 in München überschreitet mit der Uraufführung des Films nicht die Grenzen des guten Geschmacks, sondern zeugt mit dem Wiener Künstler von Mut. "Just like the movies", unfassbar wie im Film war die Szenerie in New York. Im Gegensatz zu den Kinovorlagen von 1968 bis vor dem Anschlag hat aber der Stummfilm Kosakowskis wenig Voyeuristisches. Eher wechseln sich unheilvolle Stimmung, lähmendes Entsetzen und verwirrte Aktionen ab. Der Wahrheitsgehalt der einstigen Fiktion sorgt dabei für den größten Schock.

Dramaturgie und erste Bilder für den Stummfilm waren Kosakowski an jenem denkwürdigen Septembertag klar, danach sichtete er Hunderte von Filmen. Daraus entstanden die Sequenzen, die von einer bedeutungsvollen Nacht über die Rush Hour bis zum ersten Flugzeug-Einschlag reichen. Untermauert werden die Spannungskurven von der Ragtime-inspirierten Klaviermusik von Paolo Marzocchi, die sich an Stummfilme anlehnt, irritierend die Komik und Lebendigkeit daraus übernimmt und die Bilder zu einer Einheit zusammenfügt.

Vernissage 6.4., 19 Uhr. Bis 25. Mai, Di.-So. 14-20 Uhr.

Tel. 089/ 448 69 61 und www.lothringer-dreizehn.de

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