Ungestörte Schenkelklopfer

- Die leichte Muse hat es an den großen Staatstheatern nicht immer einfach, sich zu behaupten. Doch einmal im Jahr springen selbst die operettenresistentesten Häuser über ihren Schatten, um die "Fledermaus" auf den Spielplan zu holen. Auch im Münchner Nationaltheater sorgte der unkaputtbare Silvesterknaller nun zum Jahresende wieder mal für ein ausverkauftes Haus.

 Längst vergessen ist der Skandal, den die Inszenierung von Leander Haußmann in ihrer Unterdurchschnittlichkeit einst provozierte, doch von alldem ist mittlerweile ohnehin nicht viel mehr geblieben als das Bühnenbild, in dem die Sänger nun ungestört von jeder Regie ihre Schenkelklopfer abliefern dürfen. Aber wie beim "Dinner for one" wartet das Publikum auch hier geradezu auf die altbekannten Witze, die immer für sichere Lacher sorgen. Auf manch unerwarteten Seitenhieb durfte man sich dagegen beim Frosch von Jörg Hube einstellen, der die Politiker mit ein paar kräftigen verbalen Fußtritten nach 2007 hinüberrutschen ließ. "Davon kann jetzt der Stoiber auch ein Lied singen", lautete sein Kommentar zu Alfreds Gefängnisarie über die ach so trügerischen Frauenherzen.

In dieselbe Kerbe schlugen auch die Biermösl Blosn, die mit ihren Stanzln erneut das international besetzte Fest in der Villa Orlofsky auflockern durften, dessen Höhepunkt diesmal jedoch der Auftritt von Marcelo Alvarez war. Der Startenor veredelte den Abend mit einer flammenden Wiedergabe des Zarzuela-Schlagers "No puede ser" und tröstete damit über die nach dem Weggang von Sir Peter fehlende Tanzeinlage der Direktionsetage hinweg.

Verzichten musste man auch auf Zubin Mehta, für den nun Friedrich Haider im Graben stand, der seine Sänger verlässlich ins neue Jahr geleitete und sich selbst beim stilistischen Mix aus Strauß, Offenbach und Puccini kaum aus der Bahn werfen ließ. Denn nicht nur was die Witze angeht, wurde hier kräftig recyclet. So konnte etwa Gabriele Schnaut als Orlofsky ihr Kostüm aus der frisch abgesetzten "Walküre" auftragen und ein kurzes "Hojotoho" erklingen lassen, bei dem ihre Stimme letztlich auch besser aufgehoben schien. Artfremde Musik gab es ebenfalls für den köstlichen Alfred von Janez Lotric, der sich quer durch die Highlights seines Fachs knödeln durfte, dabei aber genau wie die stimmlich wendige Adele von Aleksandra Kurzak manchmal doch etwas zu dick auftrug.

Ganz ohne Übertreibungen kam lediglich Michaela Kaune aus, deren jugendliche Rosalinde sich klug von allen Klischees fernhielt und so eine eigene Note ins Spiel brachte.

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