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Eine Schwalbe, die keinen Platzverweis nach sich zieht: Probenszene aus „Hattrick“.

In der Reithalle

Ungewöhnlicher Tanzabend: "Hattrick. Drei Fußballstücke"

München - Das Gärtnerplatztheater lädt mit „Hattrick“ zu einem ungewöhnlichen Ballettabend in die Münchner Reithalle.

Manchmal schaut er Boxkämpfe im Fernsehen; den Ton schaltet er aus – und die Musikanlage an. Klassische Stücke, Flamenco, Samba. Und plötzlich wird aus Runde 1 ein Ballett. „Unterleg’ Boxen mit Musik – das ändert alles. Dann siehst du die Ästhetik, die dem Sport innewohnt“, sagt Jo Strømgren. Der 44-Jährige liebt das Spiel mit Kunst und Sport – und wirkt selbst wie die leibgewordene Kombination aus beidem. Der gebürtige Norweger ist Tänzer, ausgebildet im klassischen Ballett. Sieht aber eher aus wie ein Fußballer. Kurzgeschorene Haare, markantes Gesicht, Dreitagebart. Na gut, nicht mehr ganz so frisch wie ein Mario Götze – aber man kann ihn sich gut als Trainer an der Seitenlinie vorstellen. Wie er die Mannschaft dirigiert. Das kann er ohnehin am allerbesten.

Seit Jahren arbeitet Strømgren als freischaffender Choreograf und Regisseur. Mit einem seiner größten Erfolge kommt er nun nach München: Am Samstag feiert „A Dance Tribute to the Art of Football“ Erstaufführung in der Landeshauptstadt. Eingeladen hat das Gärtnerplatztheater – zu einem ungewöhnlichen Projekt: „Hattrick. Drei Fußballstücke“ heißt die Produktion, die von Samstag an in der Reithalle zu sehen ist. Strømgren, der italienische Choreograf Jacopo Godani und Marco Goecke, Choreograf des Stuttgarter Balletts, befassen sich an dem dreiteiligen Ballettabend mit dem männlichen Körper als mythisch überhöhtem Symbol für Macht und Kraft.

Dazu passt Strømgrens Ballett wie der Ball ins Torwandloch. 1996 kam ihm die Idee dazu. „Ich hab damals mit meinen männlichen Tanzkollegen darüber geredet, wie sehr wir den zeitgenössischen Tanz über haben“, erzählt er lachend und seufzt gespielt genervt. Weil sie alle begeisterte Fußballer waren, sagten sie sich: „Lasst uns eine Fußballshow machen.“

Sie taten sich mit einem norwegischen Fußballclub zusammen, veranstalteten dort an zwei Wochenenden Fußball-Ballettabende – „mit kostenlosem Bier und allem, wie bei einem echten Spiel“. Dann kamen die Deutschen. „Einige Leute aus Deutschland sahen das und riefen: Oh, wie interessant! Sport und Kunst. Also waren es eigentlich die Deutschen, die das Projekt intellektualisiert haben. Bevor wir wussten, wie uns geschieht, waren wir auf Welttournee“, erzählt er.

Ja, Strømgren amüsiert sich gern ein bisschen – über die Podiumsdiskussionen, die in Düsseldorf und Dresden nach den Auftritten veranstaltet wurden, zur großen Frage um Kunst und Sport. Für ihn viel spannender: wie das Publikum auf das, was auf der Bühne vor sich geht, reagiert. Schulklassen zum Beispiel. Oder Menschen, die sonst so gar nichts mit Tanz am Hut haben. Das Thema Fußball sei ein gelungener Türöffner.

Wie genau der Abend abläuft, möchte er indes nicht verraten. Nur so viel: vier Männer und vier Frauen, in Fußballkleidung. Mit Ball? „Ja, manchmal gibt es auch den. Einen kleinen.“ Ansonsten sei das Programm „sehr Neunziger“; schon angelehnt an den zeitgenössischen Tanz, viele fragmentartige Szenen. „Fußball hat alles: Gewalt, Kindheitserinnerungen, Ästhetik – ich wollte so viele Seiten, wie es geht, abbilden. Die Zuschauer sollen das Großartige an diesem Spiel erkennen“, erklärt Strømgren. Wann immer er selbst am Bolzplatz vorbeikommt, den Rasen riecht, dann fängt sein rechtes Bein an zu zucken – und möchte mitspielen. „Das ist nichts Intellektuelles, das ist ein Gefühl, es ist im Blut“, ruft er fast und deutet auf seine Brust.

Und dann ist da noch das Thema von der Männlichkeit, die der Fußball symbolisiere. „Ich denke, wir werden immer lächerlicher, selbstbezogener. Überall werden Helden inszeniert. Ich möchte nicht so viele heroische Menschen sehen“, sagt Strømgren. Aber sind Fußballer nicht die Helden unserer Zeit? Da lacht er: „Vermeintlich. Aber schauen Sie sie sich doch einmal an. Die Tränen, die Eitelkeiten. Wenn die alleine unter der Dusche stehen, sind sie jämmerlich, sind auch nur Äffchen.“

Premiere am Samstag in der Reithalle, weitere Vorstellungen bis 14. März; Telefon 089/ 2185-1960.

von Katja Kraft

 

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