Mit ungezügelter Musikliebe

- Das ist die Geschichte eines Hochbegabten, der die ganze Musik umarmen wollte: der - etwa zur Hälfte vom Sänger Peter Hofmann selbst geschriebene - einfache Bericht über ein gar nicht so unkompliziertes Leben. Die Höhe- und Tiefpunkte dieser Vita lassen mehr erstaunen als der musikalische Werdegang. Ausgangspunkt Marienbad: 1944 geboren, nach Kriegs- und Nachkriegswirren in Darmstadt sesshaft. Leichtathlet, Amateur-Rockmusiker, Berufssoldat. Zu Beginn der Gesangsausbildung - bei Emmy Seiberlich - schon Familienvater, Gelegenheitsjobs, später auch Filmschauspieler (in Tony Palmers Wagner-Film), 1977 lebensgefährlicher Motorrad-Crash.

<P>Rein äußerlich: der Wagner-Held der allgemeinen Vorstellung. Hofmann sang übrigens nie den Siegfried, aber beispielgebend den Siegmund, auch bei Patrice Ché´reau. In Bayreuth war er zwischen 1976 und 1989 geradezu heimisch. Sonst noch: Max, Florestan, Tamino. Interessant die gesangstechnischen Hinweise innerhalb seiner aufschlussreichen, oft betont lässigen eigenen Beiträge. Unter den vielen Dirigenten hält er zwei für die größten: Karajan (bei dem er noch als "Star" vorsingen musste) und Bernstein. </P><P>Die Verbindung von "E" und "U" ist, historisch betrachtet, nicht so einmalig, wie die Autorin meint (Slezak, Tauber, Patzak, Wunderlich). Jedenfalls waren die "Rock Classics" (ab 1982) ein durchschlagender Erfolg, Ausgangspunkt einer Doppelkarriere und auch massiver Anfeindungen. Dass die von der Autorin und von Hofmann immer wieder beteuerte "Kreativität" als Rockmusiker nur als zweitrangig zu bewerten ist, bleibt ihnen offenbar verborgen. </P><P>Sicher imitiert er nicht Rod Stewart oder Elvis Presley, aber er singt ihre Songs, ohne sie stilistisch überzeugend umzusetzen. Auch die symphonische Aufmachung ist keineswegs "kreativ". Sie entspricht aber Hofmanns ungezügelter Musikliebe, in der alle "aktuellen" Musikrichtungen zu verschwimmen scheinen. 1994 zeigten sich bei Hofmann erste Anzeichen der Parkinson'schen Krankheit. Sechs Jahre trat er noch unter größter Beherrschung auf. Den Willen, wieder zu singen, trägt er in sich.<BR></P><P>Marita Türschmann: "Peter Hofmann. Singen aus Leidenschaft". Henschel Verlag, Berlin. 175 Seiten, 22 Euro.<BR></P>

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