Das ungleiche Paar

- Bei aller Sympathie - irgendwie sind die beiden ein ungleiches Paar (zumindest geworden). Und das nicht allein äußerlich. Zunächst schien nur die Optik ein wenig verrutscht, als beim gemeinsamen Festspiel-Liederabend im Münchner Prinzregententheater Dorothea Röschmann im cognacfarbenen Abendkleid auftrat und Ian Bostridge mit offenem Hemd erschien.

<P>Eine läppische Äußerlichkeit, die sich jedoch im Laufe des Abends als symptomatisch herausstellte: Die Röschmann bezaubert nicht mehr nur durch die natürliche Frische und die schlichte Reinheit ihres Mädchensoprans. Sie hat - wie sich schon in "Rodelinda" deutlich zeigte - eine neue "Tiefendimension" dazu gewonnen.</P><P>Ihr Sopran-Fundament hat sich geweitet, ist dunkler geworden, was nach oben ausstrahlt und die Stimme in jugendlich-dramatischere Regionen führt. Bostridges Tenor hingegen klingt jünglingshaft schlank, instrumental-flexibel und vibratolos wie stets. Auf beiden Seiten also Qualitäten, die man nicht missen möchte.</P><P>Doch im Verein - bei den Schumann-Duetten op. 78 und op. 34 - herrschte nicht durchwegs die ideale Zweisamkeit. Einigkeit bestimmte gleichwohl beider stilsichere Akzentuierung und Phrasierung, gefördert von Graham Johnson, dem subtilen, Schumanns Heiterkeiten wie seine Verschattungen auskostenden Begleiter. Wenn dann doch - wie im "Liebesgarten" - Röschmanns schlichter Mädchenton aufkeimte, war der Gleichklang perfekt.</P><P>Schumanns Myrten boten den beiden reichlich Gelegenheit, auch im Alleingang, dabei mit Charme und Witz aufeinander reagierend, das Publikum zu begeistern. Sie goss wunderbaren Goldglanz über "Jemand" und "Die Lotosblume"; er genoss es, (mit Goethe) allein zu sitzen und seinen Wein zu trinken, wobei Johnson das Klavier synkopisch "torkeln" ließ. Aber auch in so unterschiedlichen Liedern wie "Hochländers Abschied", "Was will die einsame Träne?" oder "Niemand" traf Bostridge einfühlsam den jeweiligen Ton.</P><P>Zu Herzen gingen die Lieder der Braut, in denen Dorothea Röschmann Tochter und Mutter Stimme gab. Hinreißend gelangen beider Liebesgeständnisse (von Heine und Rückert) "Du bist wie eine Blume" und "Aus den östlichen Rosen". Das Publikum jubelte glücklich und wurde mit zwei Duetten belohnt.<BR></P>

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