Universalkünstler

Pocci-Werkausgabe: - Obwohl selbst Staatsdiener, verband Franz von Pocci eine Hassliebe mit dem Beamtentum. Überfließende Bürokratie und Aktenberge karikierte der Münchner Autor, Zeichner und Komponist mit Leidenschaft, besonders schön in den berühmten Zeichnungen des "Staatshämorrhoidarius".

Dieser leidgeplagten Figur des eifrigen Bürokraten wird die immerfort sitzende Haltung am Aktentisch zum Verhängnis und verschafft ihm genau das Leiden, das ihm seinen Namen gab.

Zwischen 1845 und 1863 erschien die Karikatur des Beamten, der nur scheinbar arbeitet und doch Karriere macht, in loser Folge in den "Fliegenden Blättern", 1857 fasste Pocci sie zu einem Buch zusammen, signiert nur mit F.P., aus Angst, er könne seine Stellung verlieren. Eine Neuedition dieses Bändchens steht am Anfang einer Werkausgabe, 30 Bände soll sie insgesamt umfassen. Die ersten fünf davon hat der Verlag Allitera jetzt vorgestellt.

Es ist eine editorische Mammutaufgabe, das zeigt allein ein Blick in das Werkverzeichnis. Es listet 1140 Pocci-Veröffentlichungen auf, dazu Sekundärliteratur. Nicht nur als Autor von Marionetten-Stücken war der Universalkünstler bekannt, er veröffentlichte auch Lieder oder kulturhistorische Studien. Dazu kommen etwa 600 musikalische Nummern ­ Opern oder Klavierstücke ­ und rund 10\x0f000 Skizzen und Aquarelle. In neun Monaten hat der Verlag die ersten fünf Bände auf den Weg gebracht ­ unterstützt von der Pocci-Gesellschaft und der Monacensia, in deren Edition die Werkausgabe erscheint.

Neben dem Faksimile-Druck des "Staatshämorrhoidarius" und dem Werkverzeichnis liegen jetzt die ersten Kasperl-Stücke sowie zwei Bände mit Komödien vor. In atemberaubendem Tempo soll es weitergehen, in fünf Jahren soll die Ausgabe vollständig vorliegen.

Franz von Pocci: Werkausgabe in 30 Bänden (Hrsg. Ulrich Dittmann, Wilfried Hiller, Michael Stephan), Allitera-Verlag, München.

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