Mit der Unschuld einer Jungfrau

- Als Robert Rauschenberg sein Studium der Pharmazie an der Universität von Texas begann, war noch nicht abzusehen, dass er einmal neben Roy Lichtenstein und Andy Warhol zu einem der bekanntesten Vertreter der Pop Art zählen würde. Mittlerweile wurde der Amerikaner mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet und gehört zu den wichtigsten Künstlern der Nachkriegszeit. Seine Werke sind von heute an in der Galerie Terminus in München unter dem Titel "Masterworks" ausgestellt.

Ein Großteil der Gemälde stammt aus Rauschenbergs Privatbesitz. Berühmt wurde der Künstler vor allem durch seine "Combine-Paintings". Diese neue Form der Malerei entstand in den Jahren 1953 bis 1955. Dabei handelt es sich um Collagen von Zeitungsausschnitten, Fotos, gedruckten Wortfetzen und abstrakt gemalten Bildteilen. Mit diesen Werken versucht Rauschenberg, die für ihn vorhandene Kluft zwischen Leben und Kunst aufzuheben. Seit Anfang der 90er-Jahre experimentiert der Maler außerdem mit neuen Materialien, Technologien und Ideen.

Er kombiniert Siebdruck und gestische Farbspur der 60er-Jahre und überträgt das Verfahren auf riesige, spiegelnde Metalltafeln. Diese Bilder haben große Ähnlichkeit mit den "White Paintings", die 1951 den Beginn seiner Karriere einläuteten. Das sind monochrome weiße Tafeln, die, wie Rauschenberg beschreibt, "mit der Unschuld einer Jungfrau" in der Welt stehen. Er betont, dass diese Werke in jedem Moment, in dem sie betrachtet werden, neu entstehen: "Das Heute ist ihr Schöpfer."

Inzwischen greift der Künstler auf andere, leichtere Materialien zurück. Laminierte Kunststoffplatten ersetzen nun poliertes und verspiegeltes Metall.

Wie schon einige Kollegen vor ihm wurde Rauschenberg 1986 gebeten, ein BMW Art Car zu gestalten. Mit Hilfe fotografischer Techniken bearbeitet er bestehende klassische Bildvorlagen und gestaltet als Erster auf diese Weise das Auto.

Auf die Umweltproblematik, die mit dem Wagen verbunden ist, weist der Künstler mit eigenen Fotografien von Bäumen und zartem Sumpfgras hin. Anlässlich der Ausstellung wird das Art Car vor der Galerie Terminus präsentiert.

Geboren wurde der Künstler 1925 als Milton Rauschenberg in Port Arthur in Texas. Nach dem Pharmaziestudium und dem Kriegsdienst in der U.S.-Marine begann Rauschenberg 1947 sein Studium der Kunstgeschichte, Musik und Bildhauerei am Kansas City Art Institute und legte damit den Grundstein für seine Karriere.

Bis 10. November. Der Katalog kostet 40 Euro. Infos: 089/29 61 87

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