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Ab 2015 an der Spitze des städtischen Orchesters: Valery Gergiev (59), der seinen Posten als Chefdirigent des St. Petersburger Mariinsky-Theaters behalten wird.

Er war die "allererste Wahl"

Valery Gergiev: Chefdirigent der Philharmoniker 

München - Jetzt ist die Entscheidung endgültig, wer neuer Chefdirigent der Münchner Philharmoniker wird: Der Stadtrat hat für Valery Gergiev votiert.

„Ich habe mal davon geträumt, dass es anders sein könnte“, das rutschte Hans-Georg Küppers am Mittwoch heraus. Den jungen, vielversprechenden Pultmann, der die Münchner Philharmoniker in eine ganz neue Ära führt, den hätte sich der Kulturreferent schon gut vorstellen können. Doch nach monatelangen Diskussionen, vor allem nach Anhörung des Orchesters, so schob Küppers nach, sei ihm deutlich geworden: „Valery Gergiev ist unsere allererste Wahl.“

Nun ist es also amtlich. Bei einer nur verschwindend geringen Anzahl von Gegenstimmen hat sich der Stadtrat gestern in nichtöffentlicher Sitzung für den Russen als neuen Chefdirigenten ausgesprochen. Nur eine Wortmeldung gab es, ansonsten winkte das Gremium die Personalie durch. 2015 wird Gergiev kommen, dies zunächst für fünf Jahre. 30 Konzerte in München sind mit dem 59-Jährigen vereinbart, zudem „mindestens zehn“ (Küppers) auf Tourneen. Ende 2015 wird Gergiev dafür seine Chefposition beim London Symphony Orchestra aufgeben. Dennoch leitet er weiterhin das St. Petersburger Mariinsky-Theater und diverse Festivals.

Elf Wochen pro Jahr soll Gergiev in München arbeiten. Und dass der Star nicht, wie woanders üblich, ein Minimum an Proben absolviert und/oder erst kurz vor dem Konzert einschwebt, dafür werde man Sorge tragen. Küppers: „Bei uns muss und wird das anders sein.“

Orchesterintendant Paul Müller lobte Gergievs Risikobereitschaft und Kommunikationsfähigkeit. Mit Blick auf die philharmonischen Besucherzahlen meinte er, dass neue Generationen nur „durch entsprechende Lichtgestalten“ gewonnen werden könnten. Schon jetzt, nach Bekanntwerden der neuen Aufgabe in München, löse der Name Gergiev in der Branche etwas aus. Und dass er sich abseits der Konzerte nur unzureichend fürs Orchester, gerade in der Probenarbeit, engagiere, diese Befürchtungen teilt Müller nicht: „Die entscheidende Kommunikation findet auf der Bühne statt.“ Küppers pflichtete ihm im Sinne des früheren Dortmunder Fußballtrainers Adi Preißler („Entscheidend ist aufm Platz“) bei: „Wichtig ist im Konzertsaal.“

Was Valery Gergiev verweigert wurde, das ist das Letztentscheidungsrecht in künstlerischen Fragen. Dieses liege laut Kulturreferent beim Intendanten. An genau dieser Frage war einst die Orchester-Ehe mit Christian Thielemann zerbrochen, der die Situation nicht akzeptieren wollte. Rund eine Woche nach der Orchesterversammlung wurde damit die Nachfolge Lorin Maazels geregelt. Die Mehrheit bei den Philharmonikern für Gergiev fiel allerdings, wie aus Orchesterkreisen berichtet wurde, nicht so eindeutig aus wie im Stadtrat. Es gab intern eine intensive bis heftige Debatte. Hans-Georg Küppers sprach gestern von einem „ganz klaren Votum“, wollte aber keine Zahlen nennen.

Dass es auch andere Varianten gegeben hätte, räumte der Kulturreferent ein. „Verschiedene Möglichkeiten“, also das Engagement von jungen Dirigenten, seien durchgesprochen worden. Doch habe sich dann irgendwann herauskristallisiert, dass Gergiev der Wunsch des Orchesters sei. Was unter anderem auch daran liegt, dass Intendant Paul Müller schon seit längerem ein enges Verhältnis zu dem Russen pflegt. Seit Mitte 2012, so wird kolportiert, war die Angelegenheit Gergiev in trockenen Tüchern.

Lorin Maazel soll den Münchner Philharmonikern über 2015 hinaus als Gastdirigent erhalten bleiben. Küppers schwärmte in diesem Zusammenhang von einer „Spitzentrias“ ab diesem Zeitpunkt – mit dem Chef Gergiev (dann 62), Ehrendirigent Zubin Mehta (dann 79) und Ex-Chef Maazel (dann 85).

Von Markus Thiel

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