Unsicheres Franken

- Ruth Weiss war zwölf, als sie 1936 mit ihrer Familie aus Fürth fliehen musste - nach Südafrika. Daniel, der Protagonist ihres Romanes "Der Judenweg" ist ungefähr gleich alt, als seine Familie von zwei durch den Dreißigjährigen Krieg völlig abgestumpften Rittern überfallen wird. Der eine vergewaltigt Daniel, der andere dessen Mutter. Diese kann mit dem Kind noch in den Wald fliehen, stirbt aber bald an ihren Verletzungen, genauso wie der Vater, der die Familie verteidigen wollte.

<P>Die Autorin siedelt die Geschichte in ihrer einstigen Heimat Franken an und schildert eindringlich die unsichere Lage der jüdischen Bevölkerung im 17. Jahrhundert. Berufsverbote lassen nur wenig Möglichkeiten, den Lebensunterhalt zu verdienen. Als geschickte Geldverleiher oder Schmuckhändler können wenige ein bürgerliches Leben führen. Die anderen haben oft nicht einmal die Mittel, um Leibzölle, die Grenzposten von reisenden Juden fordern, zu entrichten. Sie müssen auf Schleichpfade, so genannte "Judenwege" ausweichen.<BR><BR>Daniel ist ein junger Mann, der aufgrund seines traumatischen Kindheitserlebnisses Wut über die ungerechte Behandlung seiner Glaubensgenossen verspürt. Er schlägt seinen eigenen Weg ein, gründet eine Diebesbande, wird Vorsteher einer jüdischen Siedlung und schließlich sogar Hofjude. Als solcher verwaltet er die Angelegenheiten des Markgrafen und ist Teil einer sehr kleinen Schicht von wohlhabenden, einflussreichen Juden. In ihrem Buch beschreibt Ruth Weiss die frühen Ausprägungen des Antisemitismus in Deutschland. Eine spannende Lektüre - und ganz "nebenbei" lernt man noch einige jiddische Begriffe.</P><P>Ruth Weiss: "Der Judenweg". Mosse Verlag Berlin, 193 Seiten; 12,90 Euro. Lesung heute, 20.30 Uhr, Kulturzentrum der Israelitischen Kultusgemeinde, Prinzregentenstraße 91; Tel.: 089 / 47 10 67.<BR></P>

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