Die Unsterblichkeit

- "Nach Wahrheit forschen, Schönheit lieben, Gutes wollen, das Beste tun" - soweit der Leitspruch des jüdischen Philosophen Moses Mendelssohn, an dessen 275. Geburtstag heute erinnert wird. Nach jüdischer Zeitrechnung am 12. Elul 5489 in Dessau geboren, folgt er 1743 als Vierzehnjähriger seinem Rabbiner David Fränkel nach Berlin und wächst dort in das intellektuelle Leben der Stadt hinein. 1750 wird er Hauslehrer der Kinder des Seidenfabrikanten Isaak Bernhard. Dann ist er als Buchhalter in dessen Manufaktur tätig und führt das Unternehmen 1768 nach Bernhards Tod mit dessen Witwe weiter. Ein gesichertes Auskommen ermöglicht ihm 1762 die Heirat mit der Hamburger Kaufmannstochter Fromet Guggenheim. Komponist Felix Mendelssohn Bartholdy ist Moses Mendelssohns Enkel.

<P>Das zeitgenössische Bildungsgut und nicht zuletzt die deutsche Sprache (seine Muttersprache ist Jiddisch), eignet sich Mendelssohn autodidaktisch an und versucht, sein Wissen als Lehrer und Protektor in den jüdischen Gemeinden weiterzuvermitteln. Als besonders folgenreich für die Philosophie und Literatur der Aufklärung erweist sich die Freundschaft und Zusammenarbeit Mendelssohns mit dem gleichaltrigen Schriftsteller und Kritiker Gotthold Ephraim Lessing und dem Verleger Friedrich Nicolai. Mendelssohn wird Vorbild für die Figur des Nathan in Lessings berühmtem Drama. Von Lessing zum Schreiben ermutigt erhält Mendelssohn für seine "Abhandlung über die Evidenz der Methaphysischen Wissenschaften" 1764 den ersten Preis der Berliner Akademie der Wissenschaften, Immanuel Kant muss sich mit dem zweiten zufrieden geben. <BR><BR>Wegen seines jüdischen Glaubens gerät Mendelssohn in Konflikt mit König Friedrich II., außerdem macht ihm der lutheranische Pastor Johann Caspar Lavater zu schaffen. <BR><BR>Zentrales Thema in Mendelssohns Werk ist neben dem Dasein Gottes die Frage der Unsterblichkeit: Es gelingt ihm, die klassischen Beweise für die Unsterblichkeit der Seele in einer rein rationalen, auf offenbarungstheologische Argumente verzichtenden und dabei einem breiteren Publikum verständlichen Weise zusammenzufassen. So sucht er die Übereinstimmung des jüdischen Glaubens mit der Vernunft. Darüber hinaus leistet er einen wichtigen Beitrag für die Verbreitung der Toleranzforderung, für die Emanzipation des Judentums.</P><P> </P><P><BR> </P>

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