Unstillbare Sucht nach Liebe und Applaus

- Sie lassen sich dazu herab, in einem "Volkstheater" aufzutreten - und schmelzen sofort dahin, wenn das "Volk" ihnen zujubelt. Sie sind die absoluten Weltstars auf Tournee in der Provinz - und bringen sich schier um, ihr Publikum zu begeistern. So ausgeklügelt wie die Spannung zwischen (inszenierter) Arroganz und der unstillbaren Sucht nach Liebe und Applaus ist das ganze Programm dieser Truppe. Die Geschwister Pfister sind in München, doch in die Freude über ihren Besuch mischt sich Schmerz, denn "Have A Ball" ist ihre Abschiedsgala _ wenn nicht auch diese Nachricht eine perfekte Inszenierung ist.

<P>Ein Fest, ein Exzess der großen Show ist das (mal wieder), mit allem, was dazu gehört - Frack und Fummel, Schampus auf offener Bühne, schmachtenden Stimmen und einem satten Sound, der alle Lacher über das Schräge dieses Abends sofort verstummen lässt. Jo Roloff und seine Big Band liefern die ultimativen Arrangements, die die kalkulierten Abstürze des Trios in die Parodie überhaupt erst möglich machen.</P><P>Jeder deckt (buchstäblich) eine andere Farbe ab in dieser schillernden Jetset-Truppe. Der ernste Toni (Tobias Bonn) sorgt mit seinen nüchternen Confé´rencen selbstlos für den Rahmen, in dem die beiden anderen hemmungslos ihrem Ego frönen. Doch während das herbe "Fräulein Schneider" (Andreja Schneider), changierend zwischen radebrechendem Trutscherl und gestrenger Diva, noch auf dem Teppich bleibt, gibt der kleine Ursli (Christoph Marti) im hinreißenden deutsch-amerikanischen Kauderwelsch den Narziss schlechthin. Ein Pfau, der sich pausenlos in Pose wirft, der sich grotesk verbiegt und verdreht, um seine Fans (beiderlei Geschlechts) in Verzückung zu versetzen.</P><P>Doch - allen "spontanen" Eskapaden, allen absurden Schnurren über die Finca in Mexiko und den "bulgarischen Akzionfilm" zum Trotz -, wenn die Musik (dazu) spielt, ist die Performance perfekt. Unglaublich souverän beherrschen die drei das Bewegungsrepertoire der Revue, leben im Rhythmus der Musik von Swing bis Walzer, von Ragtime bis zur Schlagerschnulze. Ob "Don't Bring Lulu" oder "Roter Mohn", "Sentimental Journey" oder "Red Roses For A Blue Lady"  - jeder Song ein Gesamtkunstwerk. Abschied? Sie werden sich's hoffentlich nochmal überlegen.</P><P>Bis Sonntag, jeweils 19.30 Uhr, Tel.: 089/523 46 55.</P>

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