Unter der Lupe

- Obwohl die kleine Haydn-Symphonie vor dem Mahler-Koloss keine tieferen dramaturgischen Einsichten eröffnete, freute man sich, überhaupt mal wieder Haydn zu hören. Seine "Oxford"-Symphonie Nr. 92 in G-Dur erklang zu Beginn des Abo-Konzertes der Münchner Philharmoniker am Mittwochabend im Gasteig. Jaap van Zweeden, früher Konzertmeister beim Concertgebouw Orkest Amsterdam, vertraute auf eine angemessen kleine Besetzung und tat gut daran. Auch wenn das sehr handfeste Allegro spirito des Kopfsatzes noch nicht sonderlich inspiriert und eher gediegen klang, erfreuten im Andante schon die fein abgemischten Holzbläser.

Das Menuett zeichnete van Zweeden klar wie unter einer Lupe, akzentuierte deutlich, aber nie grob. Im Presto-Finale gingen trotz aller Vitalität des heftig agierenden Dirigenten die Feinheiten nicht unter. So wurde die komplexe Faktur der Haydnschen Musik greifbar.<BR><BR>In der anschließenden Sechsten von Gustav Mahler, der "Tragischen", nahm van Zweeden die Satzbezeichnungen sehr genau. Er ging "heftig, aber markig" und auch "wuchtig" ans Marsch durchwirkte Werk. Dabei steigerte er sich und das Orchester - trotz schöner Überleitungen und wunderbarer Lyrismen - im Kopfsatz so sehr ins aufgeregt Gewalttätige, dass der Satz im Knalligen, Äußerlichen stecken blieb. Auch das Scherzo wirkte allzu straff exekutiert.<BR><BR>Erst im Andante überzeugte van Zweeden dann, wagte sich in dieser eigenartigen Besänftigung bis fast an den Stillstand und baute mit großer Intensität spannungsvolle Crescendi auf. Auch in der Disparatheit und den immer wieder aufflammenden Steigerungen des Finales hatte der Dirigent die Fäden souverän in der Hand. Die Philharmoniker nutzten in allen Gruppen die Chance, sich klangmächtig auszutoben - bis hin zum zweimaligen Hammerschlag. Laute Zustimmung des begeisterten Publikums.

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