Unter dem Motto "Du sollst nicht sparen"

- "Ich habe das Gefühl, wir sind angekommen", freute sich Frank Baumbauer, der Intendant der Münchner Kammerspiele gestern, als er mit seinen Dramaturgen den Spielplan für seine fünfte Saison, die Spielzeit 2005/ 06 vorstellte. "Nach der langen Dorn-Zeit war es kein Wunder, dass es etwas gedauert hat. Die Öffentlichkeit zeigte mehr Respekt. Streit wie Lob wurden klarer." Auch die Auslastung sei um zehn Prozent auf 71 Prozent gestiegen.

<P>Kein Wunder, dass Baumbauer "Rückenwind" spürt und bereit ist, mit seiner Truppe konsequent weiterzumachen. Mit einem leicht modifizierten Ensemble, das sich, wie er mit Stolz konstatierte, "auf einer Augenhöhe begegnet". Neu dazu kommen: Brigitte Hobmeier (vom Münchner Volkstheater), Sylvana Krappatsch und André´ Jung, die bereits in Jon Fosses "Winter" spielten, und Wiebke Puls, derzeit Kriemhild in den "Nibelungen".<BR><BR>Das Kammerspiel-Motto für die neue Saison: "Du sollst nicht sparen". Das Theater will sich einmischen in die Zusammenhänge zwischen Ökonomie, Religion und Gesellschaft, will testen, ob und wie Religion Widerstand sein kann gegen den Kapitalismus oder wie er selbst als Religion fungiert.<BR><BR>Schillers "Räuber" und Tschechows "Kirschgarten"</P><P>Dazu gibt es zum Auftakt im Oktober als Erstaufführung "Draußen tobt die Dunkelziffer" von Kathrin Röggla, Regie: Felicitas Brucker (Werkraum) sowie zwei Uraufführungen: "Schändet eure neoliberalen Biographien" von René´ Pollesch (Neues Haus) und "Lulu live" von Feridun Zaimoglu und Günter Senkel, Regie: Luc Perceval (Schauspielhaus). Zu Lulu gesellen sich im Dezember Goethes "Iphigenie auf Tauris" (Regie: Laurent Chetouane) und im März 2006 die Romanfigur Miss Barton aus der Dramatisierung von Coetzees Buch "Foe" in der Uraufführungs-Regie von Johan Simons. Er wird auch die Dramatisierung von Houellebecqs "Elementarteilchen" (November) inszenieren.<BR><BR>"Klassisches" bringen Jossi Wieler mit Euripides' "Bakchen" (November), Lars Ole Walburg mit Tschechows "Kirschgarten" (Februar '06) und Christiane Pohle mit Schillers "Räuber" (April '06) auf die große Bühne.<BR><BR>Händl Klaus schreibt das neue Stück "Dunkel lockende Welt", das Sebastian Nübling im Januar '06 herausbringt, und die Wittenbrink-Tradition wird mit dem alten Salzburger Liederabend "Denn alle Lust will Ewigkeit" (Mai '06) aufrecht erhalten. "Brandherde 2: Du sollst nicht sparen!" heißt das große Themenwochenende im Mai '06. Auch die Autorenwerkstatt im Werkraum und das Wochenende Junger Dramatiker gibt es wieder. Fortgesetzt wird ebenfalls "Bunnyhill", jetzt mit dem Untertitel "Angst essen Zentrum auf".<BR><BR>Weitere Premieren: Anja Hillings "Monsun" (Roger Vontobel) und Dea Lohers "Berliner Geschichte" plus neues Stück (Kriegenburg) und das musikalische Projekt "Wir werden siegen! Und das ist erst der Anfang" von Peter Licht (Pohle). Neu im Angebot ist das Sonntagnachmittags-Abo mit "Antigone", "Kein schöner Land", "Vor Sonnenaufgang" und "Die Bakchen".<BR></P><P> </P>

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