Unterhaltsames aus Schweineställen

- Norman Mailer war neun, als er sich für Hitler zu interessieren begann. 75 Jahre später ist daraus eine Biografie des jungen "Adi" (Adolf) geworden, in Ich-Form von einem Gehilfen des Teufels erzählt. "Wenn wir davon ausgehen, dass Gott oder Gabriel bei der Empfängnis von Jesus zugegen war, können wir wohl auch glauben, dass der Teufel bei der Empfängnis von Hitler seine Hand im Spiel hatte", erläuterte der 84-jährige Provokateur sein Buch in einem Interview.

"The Castle in the Forest" ist Mailers 19. Roman. Der zweifache Pulitzer-Preisträger, Enfant terrible der US-Literatur, hat schon das Leben von Marilyn Monroe, Lee Harvey Oswald, Pablo Picasso und Muhammed Ali literarisch beleuchtet. In der fiktiven Autobiografie "Das Jesus-Evangelium" (1997) traute er sich, das Wirken von Jesus Christus ­ ebenfalls in Ich-Form ­ zu schildern.

"Wir können glauben, dass der Teufel bei der

Empfängnis von Hitler seine Hand im Spiel hatte."

Norman Mailer

Nach gut zehnjähriger ause erscheint heute nun also Mailers Hitler-Biografie in der amerikanischen Originalausgabe. Wann das Buch auf Deutsch vorliegt, wurde noch nicht bekanntgegeben. Im Klappentext des 477 Seiten langen Werks kündigt der New Yorker Verlag Random House eine "unterhaltsame Familiensaga" an, die drei Generationen und 100 Jahre umspannt und Hitlers Großeltern, die Eltern, Enkel, Tanten, Onkel sowie den jungen "Adi" selbst vorstellt. Mailer macht ihn zum Produkt eines Inzests, "einer unter Bauern im ländlichen Österreich nicht unüblichen Routine", in diesem Fall zwischen dem Vater und dessen Halbschwester Johanna.

Die "Washington Post" würdigte Mailers Buch als "eine verblüffende, kunstvolle wie maßlose literarische Kuriosität, teils faszinierend und mit brillantem Tiefgang, teils auch überraschend unglaubwürdig". Die "New York Times" sieht in Mailers Werk die "Geschichte einfacher Leute und heidnischer Querköpfe aus schlammigen Schweineställen, eine vom Teufel mit samtweicher Stimme erzählte und mit viel Ironie aufgeschriebene Abhandlung".

Als Sohn eines autoritären Vaters entwickelt "Adi" ein obsessives Verhältnis zu Fäkalien und zeigt sich früh von der Macht fasziniert. Aus der Sicht des Teufels zu erzählen, sei "ein echtes Vergnügen gewesen", bekennt Mailer. Er habe im Laufe seines Lebens schließlich "einiges getan, was von dunklen Kräften inspiriert war". So stach der Ehemann Mailer seine zweite Frau bei einer Party fast zu Tode. Der Teufel, der Hitlers Kindheit und Jugend schildert, ist indes nicht der satanische "Maestro" selbst, sondern ein SS-Mann, den Norman Mailer Dieter nennt.

Wenn er noch drei bis vier Jahre so weiterarbeiten könne, will der jüdische Schriftsteller aus dem New Yorker Stadtteil Brooklyn, der seinen Lebensabend an der Atlantikküste von Neuengland genießt, seinem ersten Hitler-Band sogar noch einen zweiten folgen lassen. "Dies aber nur, wenn ich meine Sinne nicht verliere und nicht mittelmäßig werde." Sein Gedächtnis sei nicht mehr das, was es mal war, klagt Mailer. "Dafür ist mein Vokabular noch ziemlich gut". Kein Wunder bei seinem Hobby, ständig Kreuzworträtsel zu lösen. "Gymnastik für mein Hirn."

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