Unterstützung aus dem Gebüsch

München - Ein Problem gibt es. "Wir haben keine Karten zu verkaufen", räumt Manager Trygve Nordwall mit gespielter Zerknirschung ein. Jedenfalls nicht so viele Karten, dass wirklich alle Interessenten befriedigt werden können. Die Nachfrage beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, da klopfen sich alle Verantwortlichen auf die Schultern, steigt also.

Abhilfe soll nun ab der Saison 2008/ 09 die neue Abonnement-Reihe D versprechen: vier zusätzliche Programme mit Chefdirigent Mariss Jansons sowie seinen Kollegen Daniel Harding, Nikolaus Harnoncourt und Riccardo Muti. Rund 2000 Abos können damit gewonnen werden.

Neue Abo-Reihe, Beethoven-Zyklus und ein Gastspiel in der Heimat des Chefs: Die Pläne für die Spielzeit 2008/ 2009

"Nicht ganz leicht" sei es gewesen, die kommende Spielzeit zu planen, wie es Jansons formuliert. Eine Spielzeit, die sich vor solchen Jubiläumssaisons wie der des 60-jährigen Orchesterbestehens (2009) sowie dem Mahler-Jahr 2011 (100. Todestag) also fast wie eine Zwischenmahlzeit ausnimmt. Doch immerhin startet das Ensemble im Herbst seinen auf zwei Jahre angelegten Beethoven-Zyklus, der auf DVD festgehalten werden soll.

50 Konzerte spielt das Orchester in München, 23 Mal wird gastiert. Und das immerhin in Renommiersälen wie der New Yorker Carnegie Hall (drei Abende im März 2009). Etwas ganz Besonderes ist allerdings die Osteuropa-Tournee im April 2009. Da reisen die BR-Symphoniker nicht nur nach Zagreb, Sofia und Moskau, sondern auch nach St. Petersburg, in die Heimat von Mariss Jansons. "Ich glaube wir werden dort eine schöne Zeit haben", sagt Jansons. "Auch nach dem Konzert."

Und wie so oft dürfte sich das Orchester nach solchen Tourneen nicht unbedingt nach München zurücksehnen. Denn dort warten bekanntlich zwei ungeliebte Räume: der zu kleine Herkulessaal und die akustisch miserable Philharmonie. Ein Grund mehr für Jansons, bei der Programmvorstellung noch einmal sein Ceterum Censeo vom geforderten Marstall-Saal anzustimmen: "Wir müssen etwas für die Kultur in unserer Stadt tun, das ist unsere Pflicht." Dass ein maßgeblicher Verfechter des Marstall-Plans, Ex-Finanzminister Kurt Faltlhauser, nicht mehr im Amt ist, findet Jansons nicht unbedingt schlimm. Notfalls könne dieser Gönner das Orchester auch "aus dem Gebüsch" unterstützen.

Ein Ergebnis zeichnet sich dagegen auf einem anderen Feld ab: Nach jahrelangen Übergangslösungen bekommt das Ensemble ab Herbst endlich seinen gewünschten Manager: Stephan Gehmacher, derzeit noch Leiter der Konzertplanung bei den Berliner Philharmonikern. Trygve Nordwall bleibt damit planungsgemäß nur eine Spielzeit. Er musste einspringen, nachdem Gehmacher von den Berlinern nicht früher aus dem Vertrag entlassen wurde. Was verständlich ist, wie ein hiesiges Orchestermitglied zu denken gibt: "Nachdem die dortige Intendantin kein Planungsgenie ist, haben die Angst, dass ihnen alles zusammenbricht."

Saison-Höhepunkte

Beethovens siebte und achte Symphonie, gekoppelt mit einem Auftragswerk von Jörg Widmann (September, Mariss Jansons);

ein reines Haydn-Programm u.a. mit der "Harmoniemesse" (Oktober, Jansons);

Henzes Erste plus Mozart-Werke (Oktober, Franz Welser-Möst);

Dvo(r)áks Siebte mit John Eliot Gardiner (November);

Berlioz' "Roméo et Juliette" mit Riccardo Muti (November);

Bruckners Vierte mit Jansons (November);

Bachs Weihnachtsoratorium mit dem Windsbacher Knabenchor und Karl-Friedrich Beringer (Dezember);

Mozarts Requiem mit Thomas Hengelbrock (Januar);

Solisten des Symphonieorchesters konzertieren mit ihrem Ensemble (Januar, Jansons);

Strauss' "Vier letzte Lieder" mit Sopranistin Anja Harteros, gekoppelt mit Mendelssohns Dritter und Ravels "Daphnis et Chloé" (März '09, Jansons);

Schuberts Es-Dur-Messe mit Nikolaus Harnoncourt (Mai '09)

Franz Schmidts "Buch mit den sieben Siegeln" (Juni '09, Manfred Honeck);

Klassik-Open-Air am Odeonsplatz mit Hélène Grimaud, Klavier, und Dirigent Andris Nelsons (Juli '09).

Nähere Informationen zu den Programmen und zum Vorverkauf unter www.br-klassik.de.

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