Unterwegs im Papa-Mobil

- Einmal päpstlicher als der Papst sein. Einmal die Massen grüßen und alle Augen auf sich gerichtet spüren. "Sei erhaben" steht auf der Seite des Autos mit dem Plexiglas-Aufsatz. Jeder darf damit die Grenzen des Exhibitionismus ausloten. Nur Segnen ist nicht erlaubt. Es geht nämlich um die eigene Darstellung und nicht um Pietätsverletzungen. Trotzdem ist dieses "Private Papa-Mobil" ein komischer und bitterböser Anschlag auf den Vatikan und den Repräsentationskult. Auf der anderen Autoseite dann der Aufruf ". . . und spende": Der Klingelbeutel ist allerdings für Unicef bestimmt.

<P>Peter Bömmels hat mit diesem Papa-Mobil wohl den umstrittensten und begehrtesten Beitrag zu RischArt-Projekte in München geleistet. Insgesamt stehen sechs Spezialautos am Rindermarkt samt Chauffeur für kostenlose Ausflüge bereit. "Gute Fahrt" heißt die spaßige, gehaltvolle Kunst im öffentlichen Raum, die wirklich was bewegt. <BR><BR>Ich-AG im Fluchtwagen<BR><BR>Die rollenden Provokationen, zu denen Kuratorin Katharina Keller zur achten Ausgabe der Kunstprojekte bundesweit eingeladen hat, kann man auch telefonisch buchen. Lautstark wirbt Benjamin Bergmann für sich: Der Volvo "Rave Land" besteht hauptsächlich aus Lautsprechern, die das Bassbrummen durch den Magen jagen und eine Collage aus Klassik und HipHop liefern. Einerseits sitzt man wie in einem US-Schlitten, andererseits wie in einem stuckverzierten Theaterparkett und lässt Gedanken über kulturellen Austausch und Mobilität vorbeidröhnen.<BR><BR>Zu diesem Thema hat auch Beate Passow ihren Reisebus "Safar" gestaltet. König Ludwig II. neben Che Guevara, Scheich Jassin neben Roy Lichtenstein, Waffen und der Sturz Saddam Husseins neben bunten Blümchen und schützenden Augen: Der Bus nach dem Vorbild pakistanischer Trucks bricht in schillernden Bildern mit europäischer Sehkultur und Ethik. Die Insignien des krisengeschüttelten Ostens neben den Emblemen westlicher Technik werden von einer Verschleierten manövriert. Auch im Inneren hat man sich beim Tee mit den heute so anders gearteten Traumländern der 68er-Generation auseinander zu setzen. <BR><BR>Mit deutscher Realität geht es bei Frank Herzogs Ich-AG weiter: Hier wird das Private zum Geschäftlichen, die Person zum Unternehmer. Landkarten, Fußmatten, Wackel-Madonna, Fliegen, Kippen und Brezen hat der "moderne Chronist" geschnitzt: Der Mensch zwischen Arbeit, Staat und Resten einer Persönlichkeit ist eingemeißelt in das rollende Heim. Ähnlich arbeitet Patricia Waller: Sie häkelt ihr Zubehör. Am Kühler die tote Katze, im Kofferraum das Dreirad, am Sitz die Blutspuren verweisen in ihrem Fluchtfahrzeug auf den Familienvater, der gerade einen Banküberfall hinter sich hat. Die Grenze zwischen trautem Heim und krimineller Härte, den Fall des braven Bürgers erlebt der Beifahrer als Geisel. Wie das ausgeht, das darf man selbst im Fortsetzungsroman schreiben. <BR><BR>Sahnehäubchen ist schließlich Wolfgang Kaisers "Rom"-Auto: Allen Überflusses entledigt, mit Spachtelmasse in Weiß zugekleistert, bereichert es nun als Mischung aus Wrack und scheinbarem Luxus das Straßenbild. Am Ende der Aktion wird es wohl grauschwarz sein. Der fahrende Schmutzfänger wird zum Spiegelbild der Asphalt-Ökologie.</P><P>Bis 22. Juli, Di.-So. 14-20 Uhr sowie 10.-12.9. Telefon-Order: 0162/ 63 04 124 (Papamobil), 63 11 884 (Ich-AG), 63 01 439 (Safar), 63 09 088 (Rom), 63 02 499 (Fluchtfahrzeug), 63 02 565 (Rave Land).</P>

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