Die Unvergleichliche

- S-Bahn-Störung, Trambahnen, die "dank" der Sicherheitskonferenz gestrichen wurden: Keine siechen Stars vermeldete Peter Jonas gut gelaunt, sondern verspätete Besucher und Orchestermitglieder, weshalb sich das (hörbar aufatmende) Auditorium bitte gedulden möge.

<P>Dabei hatte die Bayerische Staatsoper doch Rumsfeld & Co. zu Ehren das passende Stück parat: "Greift zu den schrecklichen Waffen und eilt zum Sieg", schmettert's gleich zu Beginn aus Soldatenkehlen - was dem Normalgenießer von Bellinis "I puritani" mit ihrer bizarren Handlung herzlich egal sein dürfte. Denn wichtig war: Sie kam. Edita Gruberova, die Unvergleichliche, wartete als Elvira mit dem bekannten, immer wieder verblüffenden Arsenal ihrer Sangeskunst auf: butterweich flutende Koloraturen, biegsamste Verzierungen, haarfein gesponnene Pianissimi und souverän platzierte Spitzen in der C-Region, die den Kollegen lautstark vor Ohren führten, wer an diesem Abend im Mittelpunkt stand. Dabei waren die wirklich mehr als nur Belcanto-Beilage.</P><P>Vor allem José´ Bros (Arturo) wagte sich beherzt in unmenschlich hohe Lagen, überzeugte aber vor allem durch geschmackvolle, wiewohl leicht näselnde Phrasierungen. Alastair Miles (Giorgio) offerierte vollendete Bass-Kultur, Liliana Mattei (Enrichetta) war leider nur eine kurze Szene vergönnt, und Albert Schagidullins imponierende Stentortöne machten seine ansonsten diffuse Intonation nicht wett.</P><P>Jubel für die Solisten, über den man das Schreit- und Stehtheater von Jonathan Millers "Regie"-Arrangement gern vergaß. Nicht jedoch die meist unpräzisen Chornummern und jene Halbherzigkeiten, die aus dem Orchestergraben tönten. Dort stand Friedrich Haider, der die Partitur lediglich verbuchte, das Staatsorchester nicht aus seinem routiniert bis lustlosen Spiel riss. An die feurige Premierenbesetzung Marcello Viotti oder Fabio Luisis konzertante Münchner Produktion wagte man da kaum zu denken. </P>

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