Ein uralter Hut

- Spielart auf Italienisch: "Otto" heißt das im Münchner i-camp aufgeführte Stück, meint aber nicht die Zahl selber, sondern die liegende 8 als mathematisches Symbol für unendlich. Und dem entspricht das toskanische Kollektiv Kinkaleri volle Pulle mit: unendlicher Langweile.

Vor den schwarzen Vorhang kommt immer wieder ein Typ, der jedes Mal hinstolpert. Mit ihm zu Boden gehen nacheinander: angeschleppte Mikrofone, weiße Soße, Stapel von Servietten, sich aufrollendes Küchenpapier, eine Sahnetorte, in die er - vorhersagbar wie alles andere bereits nach den ersten drei Minuten dieses Abends -, mit dem Gesicht hineinfällt. Sein Compagnon boxt wild mit der Luft, mimt tonlos einen Popsänger und knallt ebenfalls ständig auf die Bretter.

Kinkaleri will Akte des Scheiterns vorführen. Okay. Will die totale Theaterverweigerung. Ganz und gar nicht okay. Ad eins wirken die wohltrainierten zeitgenössischen Sequenzen einer kurzhaarigen Schlanken unlogisch, eben schmückend draufgekleistert auf diese Orgie der Verweigerung. Ad zwei ist diese Verweigerung - nach John Cages musiklosem "4'33" von 1952 (!) und einem einst revolutionären Sitz-Solo von Choreograph Merce Cunningham - ein uralter Hut.

Ad drei könnte heutigen Theatermachern bei der aktuellen Weltlage schon etwas anderes einfallen, als solch ein hochmögend sich konzeptionell und intellektuell wollendes, in seiner Machart aber von A bis "Otto" unoriginelles Spektakel.

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