Uraufführung abgesagt

- Es ist noch nicht lange her, da kippte Christian Thielemann kurzfristig sein Dirigat einer Henze-Symphonie aus dem Konzertprogramm der Münchner Philharmoniker. Gestern nun erteilte der Berliner Maestro und zukünftige GMD des noblen Münchner Klangkörpers ebenso kurzfristig den Salzburger Festspielen eine Absage. Und wiederum geht es um ein Werk von Hans Werner Henze: um die Uraufführung seiner Oper "L'Upupa und der Triumph der Sohnesliebe". In zweieinhalb Wochen beginnen die Proben, Premiere ist am 12. August.

<P>Offizielle, vom Thielemann-Management abgegebene Begründung: Überlastung des Dirigenten; die Leitung der Neuproduktion von "Tristan und Isolde" an der Wiener Staatsoper habe ihn so viel Kraft gekostet, dass er auf Anraten der Ärzte und zu Gunsten seiner Gesundheit in diesem Sommer kürzer treten müsse.</P><P>An Stelle von Thielemann wird nun der Henze-kundige Markus Stenz die Uraufführung dirigieren. Der designierte GMD der Oper Köln wird nach Rückkehr von einer Konzerttournee erstmals am 23. Juni Einblick in die Partitur nehmen können.</P><P>Die Nachricht der Thielemann-Absage erfuhr gestern heftige Resonanz. Beim Salzburger Festspielchef Peter Ruzicka, der vor allem enttäuscht ist von seinem Favoriten. Schließlich besteht der Vertrag zwischen dem Dirigenten und den Festspielen seit 1999.<BR>Angesichts der Untreue des 44-jährigen Pultstars darf man schon nachdenklich werden. Ist sein Interesse an moderner Musik und insbesondere an der von Henze nur Gaukelei? Nur ein Feigenblatt des Konservativen, der offenbar so unerzogen ist, seine neuerliche Absage dem Komponisten nicht einmal selbst mitzuteilen? Hans Werner Henze und auch Dieter Dorn, der Regisseur der Uraufführung, hatten nämlich bis gestern keinerlei Kenntnis davon.</P><P>Wirklich überrascht aber zeigte sich Dorn nicht, als er durch unsere Zeitung von Thielemanns Absage erfuhr. Dies runde sein Bild nur ab, das er vom zukünftigen Chef der Münchner Philharmoniker habe, der an keiner einzigen vorbereitenden Besprechung zur Uraufführung teilgenommen habe. Ihm falle dabei die schöne Geschichte ein, dass Thielemann im Zusammenhang mit seinen Münchner Verhandlungen auf Folgendem bestand: Sollte die Stadt die Anzahl der Orchestermusiker reduzieren, gelte dies als Vertragsbruch gegenüber dem Dirigenten, der dann das Recht hätte, sein Amt sofort niederzulegen - bei voller Auszahlung seiner Bezüge. Da fragt man fragt sich doch glatt, ob der Maestro sich wohl jetzt von den Salzburgern ein Ausfallhonorar für seine eigene Absage holt. <BR><BR></P>

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