Uraufführung in Bochum

- Bochum - Mit einhelligem Beifall hat das Publikum am Freitagabend die Uraufführung des Zweipersonenstücks "Angebot und Nachfrage" auf der Studiobühne des Bochumer Schauspielhauses aufgenommen. Das Stück von Roland Schimmelpfennig steht in der Tradition des absurden Theaters.

In der ersten Szene stürmt Katja Uffelmann als Ruby, "Mitte 30", auf die Bühne und wirft wütend Geschirr an die Wand. Dann tritt Manfred Böll auf, er spielt Joseph, "Mitte 60 oder älter". Er setzt sich in einen bequemen Bürosessel und stellt Fragen - sie legen nahe, dass Ruby sich beworben hat. Joseph möchte wissen, ob sie gefragt hat, warum es nicht geklappt hat. Schimmelpfennig vermeidet mit großer Umsicht, die Fragen eindeutig festzulegen - es dürften Nachfragen nach einem Bewerbungsgespräch sein, aber sie könnten auch etwas anderes bedeuten.

Hier wird das Leitmotiv der 26 Szenen angeschlagen: Fragen, auf die es keine Antworten gibt. Jeder kennt die Situation in einem Bewerbungsgespräch. Die Arbeitgeber begründen Ablehnungen nicht, schon um Konflikten aus dem Weg zu gehen. Der Bewerber aber würde doch gern wissen, warum er nicht genommen wurde. Schimmelpfennig sieht in dieser ganz alltäglichen Erfahrung eine Grundsituation des Menschen: Wir haben viele Fragen, auf die es keine Antworten gibt. Einmal lässt der Autor das Problem im Text ansprechen: "Es gibt keine Theorie!" wird da dekretiert, "es gibt keine Antworten!".

Ruby schildert Filmsequenzen mit Gewaltszenen - stehen sie isoliert oder sind sie Ausdruck von Aggressionen auf Vorgesetzte, deren Entscheidungen so viele ohnmächtig ausgeliefert sind ? Schimmelpfennig gibt keine Antwort, aber stellt Material zur Verfügung. Hier gewinnt der Titel "Angebot und Nachfrage" seinen geistreichen Sinn: Der Autor stellt das Angebot bereit, die Nachfrage geht vom Betrachter aus.

Während Uffelmann von den Textmassen, deren Zusammenhang Schimmelpfennig weiter und weiter auflöst, bedrückt wirkt, spielt Böll souverän. Er zelebriert seine monologischen Wortkaskaden mit Genuss, verharrt bei einzelnen Wörtern, sucht ihren musikalischen Gehalt und variiert geschickt noch einmal die Auflösungstendenzen mit seiner Schauspielkunst.

"Angebot und Nachfrage" wird auf dem kleinsten Podium aufgeführt, Spielbeginn ist erst um 22.00 Uhr: ein Nachtstück für Kenner. Regisseur Jan Langenheim, der klug darauf baute, dass der entscheidende szenische Prozess nicht auf der Bühne, sondern im Kopf der Zuschauer stattfinden soll, ist eine sehenswerte Uraufführung geglückt, Böll aber hat für seinen Joseph Bewunderung verdient.

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