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„Für die Steinzeitmenschen war die Natur eine unbarmherzige Kraft, die bezwungen werden musste“, sagtr Felix Randau über seinen Film „Der Mann aus dem Eis“ mit Jürgen Vogel als Ötzi. 

Uraufführung von „Iceman“ beim Filmfestival in Locarno

Jürgen Vogels Ötzi erobert das Kino

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Die Geschichte vom gewaltsamen Tod Ötzis kommt im November in unsere Kinos. Jetzt wurde „Iceman“ mit Jürgen Vogel in der Titelrolle in Locarno uraufgeführt. 

Locarno – Es war eine der größten Attraktionen der 70. Filmfestspiele von Locarno: Jürgen Vogel als Ötzi! In dem Kinodrama „Iceman“, das am Dienstagabend Weltpremiere feierte, prügelt und mordet er sich munter durch die Jungsteinzeit. Wild wuchernder Bartwuchs und mächtige Haarzotteln verdecken sein Gesicht – zu erkennen ist er nur an seinen ausdrucksstarken Augen und seiner charakteristischen Zahnreihe. „Die Rolle war ein Geschenk“, sagte er strahlend auf der Bühne. Er sei vermutlich nur besetzt worden, weil er Deutschlands kleinster Schauspieler sei, meinte der 1,70-Meter-Mann augenzwinkernd. „Ötzi war schließlich auch nur 1,60 groß!“

Jürgen Vogel schwärmt von den „gesündesten Dreharbeiten aller Zeiten“

Jürgen Vogel als Ötzi.

Für ihn seien es „die gesündesten Dreharbeiten aller Zeiten“ gewesen – draußen in der Natur, hoch droben in den Bergen. Gefilmt wurde nicht nur in den Ötztaler Alpen, sondern auch in Bayern: in der Partnach- und Asamklamm. Der Emdener Autor und Regisseur Felix Randau, der sich selbst als „Flachlandtiroler“ bezeichnet, suchte bewusst keine pittoresken Motive, sondern eine raue Kulisse, wie er in Locarno verriet: „Für die Steinzeitmenschen war die Natur eine unbarmherzige Kraft, die bezwungen werden musste.“ Am Set hatte er Riesenglück mit dem Wetter – Sonnenstrahlen oder Schneeflocken kamen immer dann, wenn sie gebraucht wurden, Gewitter nur an drehfreien Tagen. Doch damit hatte er die Gunst der Wettergötter offenbar ausgereizt: Die „Iceman“-Weltpremiere musste wegen heftigen Regens von der malerischen Piazza Grande in die FEVI-Mehrzweckhalle verlegt werden.

Einen spirituellen Abenteuerfilm habe er drehen wollen, sagte Randau bei der Pressekonferenz. Jürgen Vogel spielt darin den Anführer eines neolithischen Clans, dessen Siedlung niedergebrannt wird, als er gerade auf der Jagd ist; seine Frau und sein Sohn werden brutal ermordet. Von da an ist er nur noch von einem Gedanken besessen: von Rache. Im Film gibt es einige Szenen von schockierender Grausamkeit. „Wir zeigen Gewalt möglichst pur und direkt, ohne sie comicartig zu verfremden, wie das in anderen Filmen geschieht“, so der Regisseur. „Wir demonstrieren, wie Gewalt entsteht und was sie anrichtet.“ Randau erzählt seine simpel gestrickte Rachegeschichte in starken Bildern und sorgfältig choreografierten, oft minutenlang ungeschnittenen Einstellungen – und fast ohne Worte. Wenn die Akteure reden, dann in einer mit Hilfe eines Linguisten eigens erfundenen Sprache, die an das Rätische angelehnt ist. André Hennicke, der im Film Ötzis fiesen Gegenspieler verkörpert, behauptete in der Pressekonferenz, es sei keine große Herausforderung gewesen, sich diese Sprache anzueignen: „Ich hatte ja sowieso nur wenige Dialogzeilen, und die habe ich gelernt wie Mandarin.“ Verschmitzt fügte er an, er habe sich in seinem witzigen Fellkostüm und mit der originellen Sprache am Set oft gefühlt wie bei den Dreharbeiten zu einer Komödie.

Jürgen Vogel oder Harald Schmidt?

Tatsächlich wirkt der Film bisweilen auch auf den Zuschauer unfreiwillig komisch. Wenn Jürgen Vogel und André Hennicke animalische Laute ausstoßen und sich anschließend den Schädel einschlagen, erinnert das an Tierübungen auf der Schauspielschule. Wenn die Dorfbewohner bei Versammlungen auf Prä-Rätisch rituelle Formeln murmeln, klingen sie ein bisschen wie Schüler, die Latein pauken – man würde sich nicht wundern, wenn in der nächsten Szene die Relativpronomen an der Reihe wären: „Qui, quae, quod, cuius, cuius, cuius...“ Und auch Ötzis Rache-Reise bewegt sich gefährlich nahe an der Grenze zur Parodie. Man erwartet förmlich, dass sich der Protagonist irgendwann seine Jürgen-Vogel-Maske herunterreißt – und dass darunter Harald Schmidt zum Vorschein kommt.

„Iceman“ ist einer der Anwärter auf den Publikumspreis in Locarno, den in vergangenen Jahren bereits Filme wie „Das Wunder von Bern“ oder „Das Leben der Anderen“ gewinnen konnten. Ein Mitbewerber ist heuer kurioserweise ein weiterer deutscher Film, der in den Dolomiten spielt: Jan Zabeils „Drei Zinnen“, ebenfalls ein archaisches Drama vor beeindruckender Bergkulisse. Doch im Gegensatz zu Zabeils subtilem, psychologisch fein austariertem Film wirkt „Iceman“ reichlich grob geschnitzt.

Und die Konkurrenz ist groß, darunter die zutiefst berührende Transgender-Studie „Lola Pater“ mit einer grandiosen Fanny Ardant in der Titelrolle. Insofern wäre ein „Iceman“-Sieg eine saftige Überraschung. Eines ist allerdings sicher: Am 30. November kommt der Ötzi-Film in die deutschen Kinos.

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