Hubertus Heil wird SPD-Generalsekretär Berlin

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"Urfaust" mit vier Gretchen

- "Wenn du es nicht versuchst, wirst du's nie herauskriegen." Diese Antwort erhielt vor vielen Jahren der junge Schauspieler Jochen Noch, als er mit Skepsis auf das Angebot der Leipziger Theaterhochschule reagierte, Schauspielunterricht zu erteilen. Er nahm an.

Und seither ist er ein leidenschaftlicher Lehrer. Dieser Satz könnte als Motto auch über zukünftigem Tun stehen; denn heute ist Jochen Noch, der seit sechs Jahren zum Ensemble von Frank Baumbauers Münchner Kammerspielen gehört, designierter Direktor der Otto-Falckenberg-Schule.

Was ist für Sie das Wichtigste?

Jochen Noch: Die Frage, die sich mir immer stellt: Wie bildet man aus? Inwieweit kann ich Impulse geben aus meiner professionellen Erfahrungswelt? Inwieweit müssen wir, Lehrer und Schüler, immer wieder gemeinsam auf eine Entdeckungsreise gehen?

Die Falckenbergschule gehört zu den Münchner Kammerspielen, wovon aber zuletzt kaum etwas zu merken war.

Noch: Das ist wahr. Das Theater und die Schule sind infrastrukturell aneinander gekoppelt. Eine einmalige Chance. Wir werden sie in Zukunft besser nutzen. Die Nachlässigkeiten des Theaters gegenüber der Schule, die es in den letzten Jahren gab, werden abgestellt. Ich werde dieses Haus in die Pflicht nehmen.

Wie schätzen Sie den derzeitigen Stand der Ausbildung ein?

Noch: Beim letzten Intendantenvorsprechen fiel mir auf, dass die Falckenbergschüler sehr bei sich sind, sehr natürlich, unverstellt. Ich wage kein Urteil, ob das perspektivisch gesehen günstig ist oder eher ungünstig.

Worin möchten Sie die Studenten bestärken?

Noch: Dass jemand, der auf der Bühne steht, etwas zu sagen hat. Ich werde die jungen Menschen immer wichtig nehmen. Ich will sie in ihrem Wollen abholen und sie auch verweisen zum Beispiel auf die jüngere Theatergeschichte, auf die Leistungen der Großen unseres Metiers. Denn man kann als Schauspieler nur eine Haltung für das Heute finden, wenn man etwas über das Gestern weiß.

Müssen sie nicht auch lernen, beim Publikum "anzukommen"?

Noch: In unserem Beruf ist der Hersteller gleichzeitig auch das Produkt. Das macht die Sache kompliziert. Aber ich finde, das "Produkt" kommt an, wenn der "Hersteller", also der Schauspieler, eine Haltung dazu hat. Ich glaube an die Kraft des Gedankens, an die Kraft des Ausdrucks. Und ich hoffe, dass das auch meine Stärke als Schauspieler ist.

Sie werden weiterhin als Schauspieler auf der Bühne stehen?

Noch: Das ist mein Wunsch. Und es war meine Bedingung.

Werden Sie die angehenden Schauspieler zum Mut gegenüber Intendanten und Regisseuren anhalten? Oder eher zum Gehorsam, damit sie nicht ihr Engagement riskieren?

Noch: Ich glaube nicht, dass jemand einen Nachteil hat, wenn er sich wehrt. Sicher, es ist immer schwierig klarzumachen, dass man in der Sache diskutiert und nicht über die Person. Und was die Studenten angeht: Ich nehme sie sehr ernst; ich kann doch nicht sagen, meine Meinung sei die bestimmende. Meine Zweifel als Schauspieler sind noch soweit intakt, dass ich sie auch anderen zugestehe. Aber ich weiß natürlich, dass der Theaterbetrieb absolutistisch regiert wird.Wir bilden die Studenten für eine sehr hierarchische Struktur aus. Aufgewachsen sind diese jungen Menschen jedoch in einer sehr offenen Struktur. Ein Widerspruch, über den man nachdenken muss.

Die Falckenbergschule kommt jedes Jahr mit einer eigenen Inszenierung heraus. Werden Sie selbst inszenieren?

Noch: Nein. Ich bin bereits auf der Suche nach Regisseuren. Es sollten welche sein, die noch aktiv im Theaterleben stecken.

Der Schwerpunkt bei diesen Inszenierungen?

Noch: Bei den Jahrgangsaufführungen kommt es darauf an, den Ernstfall Theater herzustellen. Einerseits muss die Inszenierung so beschaffen sein, dass jeder Schauspielstudent zu seinem Recht kommt, andererseits muss er in sehr konkreter Form seine Selbstständigkeit unter Beweis stellen. Ich empfinde es mitunter als falschen Ehrgeiz, um jeden Preis ein Stück zu wählen, in dem es zwölf annähernd gleichberechtigte Rollen gibt. Da machen wir doch lieber zwei Stücke mit sechs Rollen. Oder den "Urfaust" mit vier Gretchen.

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