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Die Well-Brüder und Gerhard Polt traten wie alle Künstler kostenlos auf – aber nicht umsonst.

Urkomischer Benefizabend für ein Humor-Museum in München:

Das wäre doch gelacht!

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Gerhard Polt, Luise Kinseher, Georg Schramm und Co. kämpfen für ein Humor-Museum in München.

Natürlich könnte man Vorträge darüber halten, wie wichtig Humor ist. Man könnte viele kluge Menschen einladen und sie aus vielen klugen Forschungsberichten zitieren lassen. Darüber, wie gesund, wie völkerverbindend, wie friedenstiftend gemeinsames Lachen wirkt. Oder man stellt Gerhard Polt, Luise Kinseher, Georg Schramm und viele andere irrsinnig humorvolle Künstler auf die Bühne der Münchner Kammerspiele und lässt sie machen. So geschehen am Samstagabend. Übrigens alle aus Überzeugung, ohne Gage. Eine bessere Werbung für das Projekt „Forum Humor und komische Kunst in München“ könnte es nicht geben.

Die ganze Bandbreite von komischer Kunst wollen sie künftig in dem geplanten Museum im Schlachthofviertel präsentieren, verkündet Initiator und Vereinsvorsitzender Reinhard Wittmann vorab. Und tun es schon an diesem Abend im komplett ausverkauften Theatersaal. Witz hat abertausend Spielarten. Zum Beispiel, sich vor dem Gang auf die Bühne noch eine Handvoll Mehl auf den Frack zu streuen. Man sieht ihn vor sich, den Gerhard Polt, wie er genau das kurz vor seinem Auftritt mit schelmischem Grinsen im von Lachfalten tief zerfurchten Gesicht tut. Und wenn ihm dann der Well Christoph beim Umarmen auf die Schulter klopft, staubt’s kräftig auf. Feinsinnige Clownerie.

„Humor hat so viel mit Liebe zu tun“

Die beherrscht auch Luise Kinseher. Wenn sie wie eine Betrunkene mit China-Stäbchen im Haar Qigong tanzt und den Satz „Humor hat so viel mit Liebe zu tun“ lallt, muss man zustimmend nicken und lachen zugleich.

Doch Humor, der kann auch böse sein. Bei Georg Schramms Kabarett bleibt das Lachen schon mal im Hals stecken. Die Kinseherin träumte eines nachts davon, die Frau von Donald Trump zu sein. Auch Schramm hatte einen Traum. Er im Altenheim, beim Mittagsnickerchen. Da wird er wach, und Eckart von Hirschhausen steht mit roter Nase vor ihm. „Um mich zum Lachseminar abzuholen. Grauenhaft!“ Und so geht sie los, Schramms Abrechnung mit dem Pflegesystem in Deutschland. Bittersüß sein Bericht vom Probewohnen im Heim. Auch hier gibt’s ein Unterhaltungsprogramm: Jeden Nachmittag ein Annette-von-Droste-Hülshoff-Gedicht, virtuos vorgetragen von den „Caritas-Tanten“. Schramm spricht was Wahres, wenn er mit bedrohlicher Stimme anhebt: „Viele alte Menschen begreifen nicht, dass sie Macht haben. Wir sind viele, wir werden mehr und wir haben nichts zu verlieren.“

Fein gesetzte Spitzen gegen die Politik: Georg Schramm und Luise Kinseher.

Was ist eigentlich Satire? Darüber hat sich Dieter Hildebrandt (1927-2013) oft Gedanken gemacht. Charmant trägt Gisela Schneeberger Hildebrandts Erinnerungen an sein Kennenlernen des großen Satirikers Martin Morlock vor. Da werden sie Satz für Satz wieder lebendig, die Fünfzigerjahre in München – mit dem Theater „Die kleine Freiheit“, mit all den Kästner-Jüngern, mit dem Beginn der Lach- und Schießgesellschaft. Und grad, wenn’s einem schon richtig wehmütig ums Herz wird (auch das macht gute humoristische Kunst), kommt wieder Polt auf die Bühne. Setzt sich neben Schneeberger an den Tisch, und alle Wehmut verfliegt. Es gibt sie ja noch, die großen Humoristen. Der Comedy-Klamauk im Fernsehen ist nur eine Spielart. Wie subtil, wie intelligent, wie geistreich Witz sein kann, beweist das unschlagbare Sketch-Duo auch 30 Jahre nach „Fast wia im richtigen Leben“ unnachahmlich.

Witz und Spaß aus aller Welt

Das funktioniert nicht nur in Bayern. Weil das „Forum Humor und komische Kunst“ explizit auch über den Münchner Tellerrand hinausschauen möchte, haben die Initiatoren des Abends nicht nur Bayern eingeladen. „Grüß Gott, ich bin der norddeutsche Humor“, verkündet Andreas Rebers – und zeigt dann nach einem gelungenen Solo beim gemeinsamen Gstanzl mit den Well-Brüdern ganz praktisch, was das heißt, diese Idee der „völkerverbindenden Wirkung“ des Lachens. Christoph Well macht’s vor: „Das Forum Humor, das muss man unbedingt macha, denn die Münchner haben bei den Mietpreisen sonst gar nichts mehr zum lacha.“

Das letzte Wort hat Gerhard Polt. Und bringt’s wie immer auf den Punkt: „Wir wollen der Stadt München etwas schenken. Und ich finde, so ein schönes Geschenk kann man doch nicht ablehnen.“ Ob’s klappt? Das wäre doch gelacht!


TV-Übertragung
Der Benefizabend ist vom BR Fernsehen aufgezeichnet worden und wird am 12. Februar ab 22.30 Uhr ausgestrahlt.

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