Urlaub mit der Ratte

Schauburg-Premiere: - Die Koffer sind gepackt, das Taxi steht vor der Tür, da sagt Papa plötzlich, dass sie sich den Urlaub nicht leisten können. Weil er sich vor seiner Umgebung keine Blöße geben will, müssen Vater, Mutter, Tochter zwei Wochen statt in der Südsee im "kalten Ekelkeller" verbringen. Schauspielerin Jule Ronstedt (36) las in der Zeitung von der Kellerfamilie und schrieb ein Stück darüber. Heute hat ihre Inszenierung "Südseekeller" in der Münchner Schauburg Premiere (19.30 Uhr).

Was hat Sie an der Geschichte interessiert?

Sie ist tatsächlich passiert und sicher nicht nur einmal auf dieser Welt, wo gesellschaftliche Zwänge bestimmen, was scheinbar zum Leben dazugehört, etwa ein Luxusurlaub. Und muss man sich dafür schämen, wenn‘s nicht mehr geht? Ein Thema, das gerade sehr verbreitet ist.

Ist das in erster Linie das Problem des Vaters?

Dadurch, dass der Vater seit vier Monaten gelogen hat, ist es ein familiäres Problem: Es geht um das Miteinander in der Familie und wie man mit einem Problem ­ etwa zu wenig Geld zu haben ­ umgeht.

Ist es deswegen auch ein Stück für Eltern?

Extrem. Mein Wunsch wäre, dass Eltern da mit ihren Teenagern reingehen. Ich glaube, jeder kann daraus etwas anderes für sich mitnehmen. Drei Personen, die aufeinander hocken im Keller, da kann viel ausgetragen werden: Streit, Versöhnung. Und bei uns wird viel gesungen.

Welche Funktion haben all die alten und neuen Schlager?

Die Lieder sind ein Potpourri, im Grunde auch eine Keller-Rumpelkammer, und durch sie wird erzählt, dass die Zeit vergeht. Wir haben verschiedenste Musikrichtungen, von "I Am What I Am" bis zu "What a Wonderful World". Es gibt auch eine Eigenkomposition von Toni Matheis: ein Lied, das die Ratte singt, die auch im Keller wohnt. Dann gibt es eine Art Südseemix, wo die Familie sich musikalisch ihren Urlaub macht aus 50er-, 60er-Jahre-Songs.

Welche Rolle spielt die Ratte?

Die Ratte verkörpert die Bescheidenheit. Die ist ja ein total anspruchsloses Wesen, ernährt sich von Müll, lebt in einem Loch, fährt nicht in Urlaub ­ und die lacht einfach über diese Menschen, die sich in ihrem Keller verschanzen. Sie ist der König des Kellers.

Gehen die Menschen aus dem "Südseekeller" anders heraus, als sie hereingekommen sind?

Absolut. Die Zeit im Keller war für sie nicht nur negativ. Sie hat sie auch ein wenig zusammengeführt, und auch der Zuschauer wird positiv aus dem Keller entlassen.

Das Gespräch führte Teresa Grenzmann.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Mega-Cooler Kultseniorenabend! Neil Diamond in der Oly-Halle
Kontrastprogramm zur Wiesn: Am Donnerstagabend hat Neil Diamond die Olympiahalle mit seiner Coolness beehrt. Eine Kritik.
Mega-Cooler Kultseniorenabend! Neil Diamond in der Oly-Halle
Der Mut-Lacher
Mit „Monsieur Claude und seine Töchter“ gelang Philippe de Chauveron ein Riesenerfolg. Nun setzt de Chauveron einen drauf: In „Hereinspaziert!“ übernimmt Christian …
Der Mut-Lacher
Nachtkritik: Sting macht in der Olympiahalle sein Ding
Sting hat in seinem Musikerleben Songs geschrieben, die heute noch so gut funktionieren wie 1983 oder 1995. Davon macht er in der Olympiahalle Gebrauch - und seine Fans …
Nachtkritik: Sting macht in der Olympiahalle sein Ding
Im Lenbachhaus geht der Punk ab
Das Münchner Lenbachhaus zeigt in der Ausstellung „Normalzustand“ deutsche Undergroundfilme, die zwischen 1979 und den frühen Neunzigerjahren entstanden sind. 
Im Lenbachhaus geht der Punk ab

Kommentare