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Zwar ein gestandener Mann, aber einer mit mitreißender Spiellust: Aron Keleta ist Mogli im Familienmusical „Das Dschungelbuch“ des Gärtnerplatztheaters. Korbinian Arendt (li.) und Andreas Goebel (re.) spielen Moglis tierische Freunde, den Panther Baghira und Balu, den Bären.

Dschungelbuch: Im Urwald herrscht Gelassenheit

München - Alexandra Frankmann inszenierte fürs Gärtnerplatztheater „Das Dschungelbuch“ im Fröttmaninger Theaterzelt. Lesen Sie hier die Premierenkritik:

„Ich hab’ im Dschungel hier das schönste Leben“, singt Mogli, und man muss ihm Recht geben: Gemütlich schaut das alles aus auf der Bühne im Theaterzelt in München-Fröttmaning, wo der Menschenjunge auf Felsvorsprüngen, in Baumwipfeln, strampelnd an Lianen herumtollt. Von Anfang an blättert Regisseurin Alexandra Frankmann bei ihrer Inszenierung fürs Gärtnerplatztheater mit heiterer Gelassenheit und geradezu liebenswürdiger Naivität in ihrem „Dschungelbuch“. Niemand will sich hier verstellen, etwas vortäuschen oder gar symbolisch unterfüttern – das Publikum ist sofort mittendrin im manchmal gespenstisch nebligen Urwald, der durch ungekünstelt einfache Trickfilmprojektionen am Rundhorizont in der Tiefe der Bühne eine ewige Weite vortäuscht.

Und so begegnet man all den „wilden“ Tieren in den flauschig-zahmen Kostümen von Judith Leikauf und Karl Fehringer – witzig und praktikabel (etwa die Schlange Kaa, wunderbar grazil, doppelbödig und als Einzige wirklich höhensicher und stimmgewaltig: Bettina Mönch), drollig-plump (die Elefanten als Dschungelpolizei) oder fetzig-zerschlissen (Aasgeier und Affen). Insgesamt ist das alles brav und niedlich, allerdings ohne zu verniedlichen.

Was man hingegen vermisst, ist die Coolness der doch übergroßen und schwer lastenden Disney-Vorlage. Wenn schon nicht der berühmte Song, dann doch bitte mehr von einer gewissen Gemütlichkeit. Und das betrifft sowohl die Musik als auch die Choreographien. Etwas hölzern und bisweilen unabgestimmt wirken die Tanzeinlagen, die sich häufig in gar zu abgegriffenen Musical-Gesten verlieren und nur selten wirklich mitreißen. Ausnahme ist die Rap-Einlage von King Lui (affenstark: Stefan Bischoff).

Die übernommene Musik von Bob Edwards und Hans-Wolfgang Bleich überzeugt ansonsten nicht gerade durch Esprit und Leichtigkeit, die abgespeckten Arrangements nimmt man da gerne zur Kenntnis und mag sich kaum vorstellen, wie das mit großem Orchester klingt. Warum die wenigen Musiker des Staatstheaters unter Leitung von Andreas Kowalewitz versteckt hinter der Szene spielen, bleibt ein Rätsel – sie hätten doch gut in dieses begehbare Bilderbuch gepasst. Das hätte der Musik-Slapstick-Synchronisation sicher auch gutgetan. Aber vermutlich war so manche Ungereimtheit (auch technischer Natur) nicht zuletzt einer gewissen Premieren-Nervosität zuzuschreiben; das wird sich in den folgenden über 30 Vorstellungen einpendeln.

Unter den Darstellern sei neben den bereits erwähnten noch Andreas Goebel genannt, der einen tapsig-dumpfen Balu gibt, ohne die Figur ins Lächerliche zu ziehen. Korbinian Arendt als Panther Baghira tut sich da offensichtlich schwerer. Allen voran sticht freilich Hauptdarsteller Aron Keleta als Wolfsjunge Mogli hervor – zwar ist er ein gestandener Mann (wie man generell Kinder auf der Bühne leider vermissen muss), doch mit seiner mitreißenden Lust am Spiel, einer breiten Palette an Grimassen und vielen sportlichen Turneinlagen hat er schnell das Publikum auf seiner Seite.

Am Ende, wenn Mogli den Dschungel verlässt und zu den Menschen geht, nimmt man das hier natürlich dankbar wörtlich. Viele strahlende Gesichter bei Jung und Alt. Großer Applaus.

Johann Jahn

Weitere Vorstellungen

bis 13. Januar;

Telefon 089/ 21 85 19 60.

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