+
US-Maler Cy Twombly ist tot.

US-Maler Cy Twombly gestorben

Rom - “Und das soll Kunst sein?“ hat Cy Twombly sicher oft gehört. Der US-Amerikaner gehörte mit seinen scheinbar gekritzelten Zeichnungen zu den größten Expressionisten der Gegenwart. Jetzt ist er gestorben.

Der Künstler habe an Krebs gelitten und sei am Dienstag in Rom gestorben, erklärte der Direktor der Lambert Collection in Avignon, Eric Mezil, wo im Juni eine Twombly-Ausstellung eröffnet wurde.“Ein großer amerikanischer Maler, der das alte Europa liebte, ist von uns gegangen“, erklärte der französische Kulturminister Frederic Mitterand in einer Stellungnahme.

Seine bekanntesten Bilder sehen aus, als hätte jemand beim telefonieren gelangweilt auf einem Block rumgekritzelt: Immer wieder Striche kreuz und quer, über- und nebeneinander oder sich wiederholende Kreise in schwarz oder grau - Twomblys Bilder verdienen den Namen abstrakte Kunst. Der Maler und Bildhauer, ein lebenslanger Freund von Pop-Art-Pionier Robert Rauschenberg, hat sich zu einem der bedeutendsten abstrakten Expressionisten der Gegenwart emporgearbeitet und diese Kunstrichtung auch überschritten.

Twombly, 1928 im Universitätsstädtchen Lexington in Virginia geboren, hatte das Glück, dass seine Eltern den künstlerischen Neigungen ihres Sohnes nachgaben, ja sie sogar förderten. Das war nicht selbstverständlich in den Südstaaten der 1930er Jahre, erst recht nicht für den Sohn eines Profisportlers. Der wurde nach einem anderen Baseballspieler “Cy“ genannt, und der Spitzname ging auch auf den Sohn über, der eigentlich Edwin Parker Twombly Jr. hieß. Doch der Name Cy war es, der die Kunstwelt bereicherte.

“Cy“ nahm schon als Teenager Kunstunterricht. Im Studium in den 1940er Jahren, als alles Deutsche in den USA nicht gerade populär war, befasste er sich intensiv mit dem deutschen Expressionismus und dem Hannoveraner Dadaisten Kurt Schwitters. Dabei traf der Virginier einen anderen jungen Mann aus den Südstaaten, der ihm in der Neugier auf alles Neue glich: Robert Rauschenberg. Beide sollten zusammen studieren, zusammen arbeiten, zusammen erst die USA und dann Europa und Nordafrika bereisen und lebenslange Freunde werden. Rauschenberg führte dann, unter anderem, die Pop Art zu Weltruhm. Twombly ging nach Darstellung der Sammlung Brandhorst in München mit seinen Werken über den abstrakten Expressionismus hinaus.

Wild waren seine Arbeiten, hart und deutlich. Oft waren es nur dunkelgraue Striche auf weißem Grund. Wenn er mit Farben arbeitete, mussten sie leuchtend sein, am besten rot, notfalls auch gelb oder hellgrün. Das ist nicht jedermanns Sache, und gerade in seiner Heimat waren “Twomblys“ für viele eher Kritzelei als Kunst. Erst in den achtziger Jahren stieg in den USA das Interesse und 1994 kam dann der Höhepunkt: Das New Yorker Museum of Modern Art feierte ihn in einer Retrospektive - und sorgte so dafür, dass seine Arbeiten plötzlich Millionenpreise erzielten. Es folgten Ausstellungen in Houston, Los Angeles, an der Londoner Tate und auch in Berlin - Twombly war endgültig zum Star geworden.

Mag er in Houston auch eine eigene Galerie mit mehr als 30 Arbeiten haben, größere Aufmerksamkeit fand der Amerikaner immer schon in Europa. Zur Sammlung Udo und Anette Brandhorst in München zählen rund 60 der teils großformatigen Gemälde und Skulpturen des Künstlers - die nach eigenen Angaben größte Übersicht seiner Werke in Europa.

In Frankreich wurde Cy Twombly im vergangenen Jahr Ritter der Ehrenlegion und, wohl die größere Ehre, konnte die Decke eines Saals im Louvre ausmalen. Das durften vor ihm nur zwei Gegenwartskünstler, der Deutsche Anselm Kiefer und der Franzose François Morellet. Das gewaltige Gemälde, 400 Quadratmeter groß, heißt schlicht “The Ceiling“ (“Die Decke“) und zeigt einen tiefblauen Himmel mit großen Kreisen in Gelb, Ocker, Weiß und Blau. Eine ungewöhnliche Arbeit, aber wie er selbst sagte, sei das ja keine “Twombly-Malerei“, sondern eine Dekoration für den Louvre.

Schon als 30-Jähriger wandte er sich dem Mittelmeerraum zu und setzte sich stark mit Italien auseinander. Cy Twombly ließ sich dann auch in Rom nieder. Immer wieder lebte er auch an anderen Orten, fuhr als Reisender der Kunst durch die Weltgeschichte und mietete sich immer wieder bei seinem Freund Rauschenberg ein. Doch Rom sollte seine künstlerische Heimat werden. Da ist Cy Twombly auch nach langer Krankheit gestorben. Er wurde 83 Jahre alt.

dapd

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Falco - Das Musical“: Gelungene Premiere in Kempten
Jempten - Falco wäre im Februar 60 Jahre alt geworden. Er starb jung, doch seine Hits wie „Rock Me Amadeus“ und „Jeanny“ begeistern die Menschen noch immer.
„Falco - Das Musical“: Gelungene Premiere in Kempten
Frauensache: Fünf Regisseurinnen ausgezeichnet
München - Ein starkes Signal beim 38. Bayerischen Filmpreis: Im Münchner Prinzregententheater wurden am Freitagabend fünf Regisseurinnen ausgezeichnet.
Frauensache: Fünf Regisseurinnen ausgezeichnet
Der Nussknacker wirbelt durchs Deutsche Theater
München - Fredrik Rydman begeistert mit seiner zeitgenössischen Version „Nutcracker reloaded“ in Münchens Deutschem Theater. Lesen Sie hier unsere Premierenkritik:
Der Nussknacker wirbelt durchs Deutsche Theater
„Nachdenkliche Sprüche mit Bilder“-Macher: Öffentlicher Auftritt in München
München - Bisher versteckte sich der Kopf hinter einer der gerade erfolgreichsten deutschen Facebookseiten. Jetzt tritt er erstmals öffentlich auf. Was ist das für 1 …
„Nachdenkliche Sprüche mit Bilder“-Macher: Öffentlicher Auftritt in München

Kommentare