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Jack White will nicht vor Fans auftreten, die nur aufs Display starren.

Smartphones werden vor der Show verplombt 

US-Musikstar Jack White in München rigoros: Handys werden bei Konzert verbannt

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Viele Fans freuen sich auf die Konzerte des US-Musikstars Jack White in München. Eine besondere Einschränkung müssen die Zuschauer für das Live-Erlebnis allerdings in Kauf nehmen.

Bloß nicht wackeln! Die junge Frau reckt ihr Handy in die Luft – wie seit Jahren viele andere Menschen bei einem Pop- oder Rockkonzert. Die Frau streamt seit fünf Minuten ohne abzusetzen ein Konzert live aus der Halle, für ihre Freunde und Follower auf Instagram. Sechs Personen sind es, die mitschauen. Ein paar „Gefällt mir“-Herzchen fliegen, dann beendet sie ihre Übertragung. Wäre diese Zuschauerin auf dem Konzert von Jack White, sie könnte nicht einmal ein Foto machen: Der US-Amerikaner macht seine aktuelle Tournee zur handyfreien Zone – auch in München, wo er morgen Abend spielt.

Tausende Smartphonebildschirme: So sieht unabhängig von Musiker und Genre ein Konzert im Jahr 2018 aus. Bild- und Tonaufnahmen sind, darauf weisen viele Künstler und Veranstalter hin, nicht erwünscht. Sie werden aber meist geduldet. Doch White sieht bei Handys auf seinen Konzerten rot – und das nicht einmal aus Gründen des Urheberrechts. Der Musiker – der Riff seines Hits „Seven Nation Army“ schallt seit Jahren durch die Fußballstadien Europas – hat einen Smartphonebann über seine Auftritte gelegt. Konkret bedeutet das: Bei seinem ausverkauften Konzert im Münchner Zenith werden die Smartphones der Besucher eingetütet und verplombt.

Nach der Show haben die Fans ihr Handy wieder zurück

Es sei „wahnsinnig frustrierend“, vor Fans zu spielen, die Smartphones in die Luft halten oder darauf starren, weil er keine Verbindung zu ihnen aufbauen könne, beklagte White in einem Interview vor der Tour. Es widerstrebe ihm zwar, auf einem Rockkonzert Vorschriften zu machen – aber die Handys müssen weg. Darauf weisen auch Ticketagenturen wie München Ticket hin: Beim Konzert werden mitgebrachte Handys am Einlass in einer Tasche der amerikanischen Firma Yondr verpackt und erst nach der Show wieder aufgeschlossen.

Der Yondr-Beutel öffnet sich erst bei Kontakt mit dem Basisgerät.

Jeder darf den Beutel mit seinem Gerät behalten, hat White dem „SZ-Magazin“ erklärt, „aber du kannst ihn in der Konzerthalle nicht öffnen, sondern erst, wenn du rausgehst und den Beutel gegen ein spezielles Gerät tippst“. Die Firma Yondr hat sich darauf spezialisiert, einen „telefonfreien Raum für Künstler, Pädagogen, Organisationen und Einzelpersonen“ zu schaffen. Sie begleitet Whites Tournee und soll sicherstellen, dass das Verpacken der Telefone reibungslos funktioniert.

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Dafür muss der Veranstalter Personal bereitstellen, 30 zusätzliche Mitarbeiter müssen am Samstagabend ran. Für Sonic Boom Events ist die Situation genauso neu wie für die Zuschauer. „Dass Künstler nicht wollen, dass permanent mit dem Handy gefilmt wird, gibt es schon länger“, sagt Ralf Binder, Sprecher von Sonic Boom. „Dass die Handys weggesperrt werden, haben wir so zum ersten Mal.“

Er glaubt nicht, dass sich das System in Deutschland durchsetzen wird. Allerdings: „In Amerika, wo es erfunden wurde, ist es inzwischen üblich.“ Vor allem Comedians setzen bei ihren Live-Shows auf die Wegsperrtaschen. Jack White sei ebenfalls vom Konzept überzeugt gewesen und wollte die Taschen auf seiner Tour, berichtet Binder.

Der Aufwand ist groß, es dürfte dauern, bis jedes Smartphone eingetütet ist. Doch die Fans in München sind vorgewarnt, das Verbot wurde aufs Ticket gedruckt. Im Notfall kommt übrigens jeder an sein Gerät: „Wenn jemand einen dringenden Anruf machen muss, zum Beispiel beim Babysitter, gibt es Access Points“, sagt Binder. „Allerdings ohne Blick auf die Bühne.“

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