Im utopischen Dorf

- So beiläufig wie Arnim Töpel auf die Bühne kommt, sagt das einiges über ihn aus. In der Hand hält er einen Schlüsselbund, klimpernd legt er ihn hinter das Klavier. Als würde er nach Hause kommen, von einem langen Arbeitstag, nach Hause auf die Bühne. Dort fühlt er sich wohl, erleichtert schnauft er durch, gut gelaunt steht er da, immer ein Lachen im Gesicht.

Was ihm diese Freude bereitet? Ist es sein Spiel, das Publikum, die Lach- und Schießgesellschaft, wo er sein neues Programm "Rechtzeitig gehen. Sachfremde Erwägungen" vorstellte? Vielleicht ist er einfach ein freundlicher Mensch, der sich an seinem Bühnenleben erfreut. Aus Überschwang schlägt er schon mal sein Klavier oder trifft die Tasten mit den Handkanten, wenn er eines seiner melancholischen Lieder spielt.<BR><BR>Töpel meint es gut mit den Menschen, auch seine Stimme passt dazu. Samtweich, wie aus dem Radio-Nachtprogramm, wirkt sie beruhigend auf den Zuhörer. Als ehemaliger Radiomoderator hat er gelernt zu sprechen, und auch sein Mikrofon scheint ein Überbleibsel aus dieser Zeit zu sein. Vielleicht auch die ausschweifenden Bewegungen, die sein Reden und Singen begleiten und untermalen. Nein, ein Schauspieler ist Töpel nicht, dazu wirkt das, was er tut zu ehrlich, zu spontan: Das ist Arnim Töpel, wie er leibt und lebt.<BR><BR>Gekommen ist er, um ein Casting zu veranstalten. Er sucht Menschen ab 40, die sich mit ihm aus der Gegenwart verabschieden und eine gemeinsame Zukunft beginnen wollen, als Großraum-WG in einem "leer stehenden Dorf". Ein Utopia des friedlichen Zusammenlebens. Manchmal glaubt man, ihm wäre es ernst mit dem Vorhaben, doch dann überrascht er wieder mit einer seiner leisen Pointen, die gerne in paradoxer Form erscheinen. Und es ist klar, eine Lösung ist auch dieses Dorf nicht, denn "man weiß von einem Menschen oft mehr, bis man ihn kennen lernt".

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