Valentin und Patti Smith

- "Das ist noch eine Überraschung", biegt Chris Dercon, der designierte Chef des Münchner Hauses der Kunst, die Frage nach seiner ersten Ausstellung Mitte/Ende des Jahres 2003 ab. Aber er ist doch so viel Medienprofi, dass er einige Ideen den Journalisten preisgibt, die sich im bayerischen Kunstministerium zu Vertragsunterzeichnung und, um den Mann aus Rotterdam (Direktor des Museums Boijmans Van Beuningen) zu bestaunen, versammelt haben.

<P>So wird sich Jacques Herzog vom Architektenteam Herzog & de Meuron (Fußballstadion) _ "ich will nicht nur mit Beckenbauer arbeiten" _ im Haus der Kunst austoben. "Als holländischer Belgier habe ich gute Beziehungen unter anderem zum Rijksmuseum in Amsterdam, sodass wir die altniederländischen Schätze von dort mit denen der Alten Pinakothek vergleichen könnten." Dass Dercon nicht nur Einfälle hat, sondern sie und sich gut verkaufen kann _ je nach Umfeld _, wird sehr deutlich, als er auch noch das Stichwort "Karl Valentin" ins bayerische Auditorium wirft. Ausstellungen wie "Das Groteske" dürften, genauso wie Klee, doch nicht an München vorübergehen. Eine Schau über Patti Smith will er ebenso hierher holen; und unterstreicht damit die eigenen guten internationalen Beziehungen. Dabei fällt selbstverständlich das Zauberwort "MoMA" (Museum of Modern Art, New York): "Meine Freunde dort sagen, du musst unbedingt ein Alexander-Kluge-Projekt machen . . ." Wenn da nicht der Letzte überzeugt ist, dass "wir auch für den Export von München arbeiten".</P><P>Kunstminister Hans Zehetmair kann's zufrieden sein, hat er sich doch als Nachfolger von Christoph Vitali einen renommierten Mann geholt, der ein weit gespanntes Interesse hat: von alter Kunst über Film bis Theater. Außerdem wird der Etat des Hauses der Kunst vom Staat, vorausgesetzt der Landtag stimmt zu, um über eine Million Euro aufgestockt. Zusammen mit den Geldern der anderen Gesellschafter (Schörghuber-Braustiftung, Freunde) stehen dann über vier Millionen Euro zur Verfügung. Dass ist auch nötig, denn das Haus der Kunst kann auf keine eigene Sammlung zurückgreifen; und wer nichts zu verleihen hat, dem leiht man nicht so gern.</P><P>"Ich bin da ganz realistisch, habe meine Sorgen geäußert. Aber: Ich musste auch in den USA immer bei Null anfangen, und in Holland sind die Bedingungen ebenfalls nicht so günstig. Es ist nicht einfach, aber in dem Gebäude stecken so viele Erinnerungen, so viel Symbolik. Es gibt viele Museen, die gern mit dem Haus der Kunst mit seiner bombastischen Architektur zusammenarbeiten wollen. Hier gibt es einfach große Ausstellungsflächen, die polyvalent sind."</P><P>Dass der Minister in Interviews öfters von "Events" im Hinblick aufs Haus der Kunst gesprochen hat, nimmt Chris Dercon locker: Die Künste sind selbst Event genug, und ein Museum ist kein "Erlebnispark". Passend zur "Slow-Food"-Bewegung wünscht sich der Kunsthistoriker "Slow Events"; schließlich komme es auf die Präsentation an. "Kunst ist nicht Geld, sondern Demokratie und Kontext", ist ein anderer Glaubenssatz Dercons, der sich im übrigen auch als Diplomat erweist und fast alles und alle lobt, von denen er glaubt, sie könnten vielleicht wichtig sein: also vom Minister über Vitali und die Sponsoren bis hin zu München selbst.</P><P><BR> </P>

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