Valentin-Preis für Polt und Biermösl Blosn

Ehrung: - Nichts war nicht gleich nichts für Karl Valentin. Als er einmal darauf aufmerksam gemacht wurde, dass seine Brille ja gar keine Gläser habe, antwortete er: "Das is' doch besser als gar nix." Die Valentin'sche Existenz kreiste beständig um diese absurden Nichts ­ das Unvereinbare jedoch immer genial auf einen Nenner bringend. Mit einem Valentin'schen Nichts mussten sich auch Gerhard Polt und die Biermösl Blosn zufrieden geben, die jetzt im Münchner Volkstheater mit dem Großen Karl-Valentin-Preis ausgezeichnet wurden.

Weder Zinnteller noch Preisgeld hatte Turmschreiber Alfons Schweiggert, der die Auszeichnung initiiert hatte, zur Verleihung mitgebracht. Stattdessen wusste er noch von einigen Nichts zu erzählen, bevor er den nicht existierenden Preis schließlich übergab: wie "ein Messer ohne Klinge, dem der Stiel fehlt". Und Schweiggert philosophierte weiter: Die Ausgezeichneten seien, da sie nun ja nichts bekommen hätten, keine Preisträger, sondern allenfalls "Preishaber". Zudem sei der Preis nicht "verliehen" worden, dann könnte man ihn ja wieder zurückfordern. Stattdessen sei er "vergeben" worden, der nächste Kandidat müsse den Preis deshalb aus den Händen von Polt und der Biermösl Blosn bekommen, für die Oberbürgermeister Christian Ude als Laudator "endlich Verfassungsrang" einforderte "als eigentliche, jedenfalls bedeutendste Opposition in Bayern". Wohl aus Höflichkeit erhielten die Geehrten dann aber doch noch zwei Erstausgaben von Büchern Valentins.

Die Verleihung diente auch einem konkreten Zweck: Die Einnahmen gehen an das Karl-Valentin-Musäum, das seine Ausstellungen umbauen und auf den neuesten Stand bringen will. Zum 4. Juni 2008, Valentins 126. Geburtstag, und passend zum 850. Münchner Stadtjubiläum soll das neue Musäum laut Chefin Sabine Rinberger eröffnen.

Dass Polt und die Biermösl Blosn ­ wegen Krankheit nur zu zwei Dritteln anwesend ­ des Preises würdig sind, stellten sie eindrücklich mit eigenen Stücken unter Beweis. Zum Höhepunkt verneigten sie sich jedoch vor Valentin und lasen zusammen mit Schauspieler Jörg Hube Briefe des großen Humoristen: hintergründig-valentinesk bis tragisch-bitter. Denn die eigentliche Ehrung der Matinee galt nicht Polt oder den Well-Brüdern, sondern Karl Valentin.

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