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Wagt den Abschied aus München - und freut sich auf ein Stück neu gewonnene Freiheit: Valerie Pachner.

Von der Isar nach Hollywood

Erstmal weiterziehen: Valerie Pachner verlässt das Resi

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Valerie Pachner verlässt zum Saisonende das Münchner Residenztheater.

München - Etwas mehr als zwei Jahre ist es her, da titelten wir: „Erstmal angekommen“. Gemeint war die damals 27-jährige Valerie Pachner. Zu dem Zeitpunkt stand sie, seit der Saison 2013/14 Ensemblemitglied am Residenztheater, vor ihrer ersten Hauptrolle in München. Ausgerechnet die Irina, die jüngste von Tschechows „Drei Schwestern“, wurde ihr Debüt. Die Rastlose, die weg, einfach nur weg will. Und nun? Hat sich auch der rothaarige Wildfang dafür entschieden wegzugehen, das Haus am Max-Joseph-Platz zu verlassen. Gab’s Ärger, fühlte sie sich unwohl? Warum sonst sollte eine junge Schauspielerin ein sicheres Engagement aufkündigen?

Weil sie nicht anders kann.

Das hat für die gebürtige Österreicherin nichts mit Mut zu tun. „So bin ich einfach. Natürlich könnte ich mir’s da jetzt gemütlich machen mit einer Festanstellung und so weiter, das passt aber irgendwie nicht so ganz zu mir und zu dem, wie ich die Arbeit am Theater machen möchte“, sagt sie. Sie will’s nicht bequem, möchte nicht betriebsblind werden. Die augenscheinliche Abwendung von der Bühne ist für sie deshalb keine. „Es ist vielmehr eine Hinwendung, eigentlich will ich damit die Beziehung zwischen Bühne und mir erfrischen“, betont sie und lässt ihr so herzliches, so ehrliches Lachen hören. Das sei wie mit einem Menschen: Manchmal sei es gut, sich eine Weile nicht zu sehen, um dann wieder neu aufeinanderzuzugehen.

Das nächste Abenteuer: Film

Kino-Leidenschaft: Valerie Pachner mit Noah Saavedra in „Egon Schiele: Tod und Mädchen“.

Stattdessen wagt sie etwas, was sie bisher nur als Sommerliebe betreiben konnte, ihre Affäre in theaterspielfreien Tagen gewissermaßen: den Film. Im vergangenen Jahr hat sie mit Hollywood-Regisseur Terrence Malick gedreht. Ihre fünfte Filmarbeit überhaupt – und dann gleich mit dem gefeierten „Poeten des Kinos“. „Das war künstlerisch eine der wichtigsten Erfahrungen bisher.“ Obwohl doch Film nie Thema für sie war. „Als ich angefangen habe nach der Schauspielschule, war ich rein auf Theater bezogen, ich hätte nie gedacht, dass ich Film machen würde“, erzählt sie. „Das ist mir einfach so passiert. Ich dachte nicht, dass ich da passe, ich dachte, ich bin irgendwie... zu seltsam.“ Wieder lacht Valerie Pachner charmant in einer Mischung aus Verlegenheit und Selbstironie.

Doch in der Liebe ist es immer dasselbe – irgendwann musst du dich entscheiden. Nach mehreren Sommern in Folge, in denen sie wegen der Filmarbeiten nicht frei machen konnte, spürte Valerie Pachner, dass das auf Dauer nicht funktionieren kann. Und, Hand aufs Herz: Die Irina in ihr, die hatte doch insgeheim auch schon nervös mit den Füßen gescharrt? „Joah, ich muss zugeben, dass ein bisschen eine Vagabundin in mir steckt, der ich doch immer wieder nachgeben muss.“

Dabei hat sie noch gar keinen Ort, an den es sie treibt. „Es ist gerade eher so ein Gefühl von Unterwegssein. Das ist das, worauf ich mich sehr freue, auf ein Stück Freiheit.“ Wer leitet sie, die junge Künstlerin, auf ihrem Weg? Familie, Freunde, Agenten? Sie überlegt. „Das, was mich am meisten leitet, bin ich selbst. Irgendeine Art von Gefühl im Inneren. Wo ich die verschiedenen Aspekte in meinem Leben abwäge und spüre, was jetzt sein muss.“ Und die Angst davor, als freiberufliche Schauspielerin keine Aufträge zu bekommen? Das lässt Pachner für sich nicht gelten. „Ich glaube, der Kunst tut es gut, wenn man eine Wachheit hat und sich traut. Alle haben so viele Ängste um die Sicherheit. Total verständlich, aber ich glaube, dass manchmal eine Portion Selbstbewusstsein in Form von ,Ich möchte so leben, wie ich das für richtig finde‘ wichtig ist.“ Auch wenn es risikoreicher sei – aber einen Versuch immer wert. „Man muss es wagen, sonst ist man irgendwie eingesperrt.“

Theater-Leidenschaft: In „Hexenjagd“ glänzt Valerie Pachner (Mi.) neben (v.li.) Friederike Ott, Valentina Schüler und Valery Tscheplanowa.

Vagabundin hin oder her, der Abschied, er fällt auch ihr nicht leicht. „Vor allem in den vergangenen zwei Jahren hat sich eine sehr schöne Beziehung zum Münchner Publikum entwickelt, das wird mir schon fehlen.“ Pause. „Aber das hört ja nicht auf. Die Bühne bleibt. Und ich freue mich darauf, sie immer wieder neu zu entdecken.“

Im Residenztheater

ist Valerie Pachner das nächste Mal am 13. Juni in „Hexenjagd“ zu sehen. Karten unter Tel. 089/ 2185-1940.


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