Vanille mit Violine

Richard Strauss Festival: - Das Richard Strauss Festival startete genussvoll mit Musik, Poesie und ­Kochkunst.

Genüsse aller Arten servierte das heuer unter dem Motto "Tanz und Virtuosität" stehende Richard Strauss Festival in Garmisch-Partenkirchen schon gleich am Eröffnungswochenende. Vier Alphornbläser empfingen am Samstagnachmittag die Gäste, und Ministerpräsident Edmund Stoiber "sorgte" als Schirmherr "mit gutem Draht nach oben" dafür, dass sie trockenen Fußes über den roten Teppich ins Kongresshaus gelangten.

Dort wetteiferten bis in die Nacht hinein die Künste miteinander: die Musik, die Literatur und ­ erstmals dabei und heiß begehrt ­ die Kochkunst. Der Tanz wird in den kommenden Tagen mit einem Jugendprojekt Terrain erobern und krönt die zum 20. Mal stattfindenden Festtage, die am kommenden Freitag mit Strauss‘ "Josephs Legende", dem Tanz der Salome und Ravels Boléro zu Ende gehen.

Virtuosität regierte also den festlichen Auftakt: zunächst die musikalische des 22-jährigen bulgarischen Pianisten Evgeni Bozhanov. Er frönte dem tänzerischen Element mit drei Mazurken von Chopin und offerierte dabei eine packende Mischung aus kraftvoller Vitalität, Temperament, Poesie und sensibler Anschlagskultur. Bevor er mit Liszts virtuoser Bearbeitung des Gounod‘schen Faust-Walzers auftrumpfte, ließ er den 15-jährigen Richard Strauss zu Wort kommen. Dessen Allegro aus der großen c-moll-Sonate verriet deutlich, wie gut sich der Bub in der Musikgeschichte auskannte und wie geschickt er mit ihren Versatzstücken umzugehen wusste.

Als ein virtuoser Wortjongleur amüsierte Wolf Wondratschek die Gäste mit seiner Festansprache: "Der Virtuose, der Arzt, die Poesie ­ Oder: Leise Klopfgeräusche im Holz dreibeiniger Tische". Genüsslich piekste der Dichter, der dabei sogar einen Neurologen, Dr. Blotkin, bemühte, in die psychosomatischen Wunden der Virtuosen ­ am Klavier, am Cello, auf der Spitze. Ebenso treffend wie witzig geißelte er den immer absurder werdenden Musikmarkt, auf dem das Musikmachen oft nichts mehr mit Musik zu tun hat. Er beleuchtete die Versagensängste des Paukisten, sprach von den "3-Sterne-Geigern mit ihrer Vorliebe für französischen Cognac", von den "Bläsern, den Biertrinkern" und ließ seinen Doktor resümieren: "Sie haben vergessen, sich vor der Musik zu verbeugen."

Mit den "kindlich nackten Schultern" der Geigerinnen, die "Lust auf mehr" machten, spielte Wondratschek schon auf das abendliche Gala-Diner an, bei dem Arabella Steinbacher, tatsächlich schulterfrei geigend, musikalische Zwischen-Gänge servierte. Souverän und mit Geschmack: Kreislers "La Gitana" vor dem Artischocken-Parmesan-Salat mit Schinkenmousse und mariniertem Gemüse mit Vanille-Orangen-Vinaigrette, Strauss‘ Rosenkavalier-Walzer vor der Lendenschnitte oder Piazzollas "Adios nonino" vor dem Mandeltörtchen mit Erdbeeren und Weinschaumsauce.

Sternekoch Johann Lafer eroberte mit seinen Gaumengenüssen die über 500 Gäste im Nu. Er selbst oder Moderatorin Sabine Sauer verrieten, welches Rezept aus Pauline Strauss‘ Kochbuch ihn inspiriert hatte. Darunter Rezepte, die Richard seiner Frau von seinen Reisen schickte, oder die Köchinnen dem Hause Strauss hinterließen.

Wie Arabella Steinbacher und ihr Klavierbegleiter Peter von Wienhardt es schafften, zwischen den fünf Gängen sich zu positionieren und die Schmausenden immer wieder zum Hören zu verführen, bleibt ihr Geheimnis. Applaus und Begeisterung teilten sie sich am Schluss mit dem Starkoch.

Deutlich weniger Andrang herrschte beim reinen Kunstgenuss am Sonntagvormittag: Faszinierend beschwor Peter Simonischek in Gedichten und Texten von Kleist, Hofmannsthal, Rilke, Storm und Wondratschek den Zauber der Bewegung und des Tanzes herauf. Zuletzt ließ er sich mit Marjana Lipov(\xffs)ek, die sich, begleitet von Anthony Spiri, bei Brahms und Dvo(\xffr)ák deutlich wohler fühlte als bei Strauss, sogar auf einen Tanz ein: "The old Lady‘s Tango aus Bernsteins "Candide".

Karten: 0180/ 54 81 81 8.

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