Vatikan-Akten: Steins Brief im Wortlaut

- In den nun zugänglichen Vatikan-Akten aus den Jahren 1922 bis 1939 fanden Historiker neben anderen Schriftstücken, die den Vatikan über den Nazi-Terror informierten, einen berühmten Brief von Edith Stein.

<P>Die Philosophin, die vom Judentum zum Katholizismus konvertierte, bittet Pius XI. 1933 um ein Einschreiten gegen die Nazis. Andere Dokumente belegen nach Meinung einiger Historiker dafür, dass der Papst dem entsprochen habe - genau dies ist umstritten. </P><P>Die Existenz von Steins Brief war bekannt, nicht aber sein Wortlaut, der jetzt zum ersten Mal veröffentlicht wurde. Die Nonne spricht vom "Feldzug zur Ausrottung jüdischen Blutes", so die Zeitung Corriere de la Sera. Stein, die in Auschwitz ermordet wurde, beklagt in ihrer Autobiografie von 1938, dass der Brief keine Konsequenzen gehabt habe. In einem Schreiben vom 4. April 1933 habe jedoch der vatikanische Außenminister und spätere Pius XII. den Nuntius in Deutschland angewiesen, gegen die Politik der Nazis vorzugehen. </P><P>Rabbi Michael Signer, Professor an der Universität Nô^tre Dame von Paris: "Der Vatikan bekam Hilferufe, und diese Hilferufe wurden weitergegeben. Das heißt aber nicht, dass sie zu irgendeinem Ergebnis führten. Sie gingen an deutsche Bischöfe, die sich jedenfalls zu diesem Zeitpunkt nicht einmischen wollten." <BR><BR>Auch ein Jesuit hatte 1934 dem späteren Papst Pius XII. schriftlich mangelnden Widerstand gegen Hitler vorgeworfen. "Warum zieht die Kirche gegen den Nationalsozialismus nicht mit der gleichen Energie ins Feld, wie sie es gegen Bolschewismus und Sozialismus tut?", heißt es in einem Schreiben des deutschen Paters Friedrich Muckermann, der später im KZ Dachau starb. Auch dieser Brief ist nun veröffentlicht worden.<BR><BR>Mit der Öffnung der Archive entsprach der Vatikan der Forderung einer Kommission, die die Rolle der katholischen Kirche im Nationalsozialismus untersuchen wollte. Die Akten aus den Jahren des Pontifikats von Pius XII. (ab 1939) bleiben aber verschlossen. Ihm wird Untätigkeit angesichts der Judenvernichtung vorgeworfen. </P>

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