Venus und Kasperl

- In diesem Werk stecken Rubens und Tizian, Morandi und Turner, Adam und Eva und eine fünfköpfige Familie. Und doch trägt es die Handschrift einer einzigen - abstrakten - Künstlerin. In der Rathausgalerie: Bilder, Zeichnungen und Skulpturen der Münchnerin Katharina von Werz. Eigentlich müsste man ihre Ausstellung "Die Kunst der Variation" nennen, denn am Beispiel ihrer Werke vermag der Betrachter Leitmotivik zu studieren.

<P>Rubens' "Raub der Töchter des Leukippos" ist wieder und wieder zu finden: in feinen schwarzen Linien über einem Meer aus farbigen Strichen; als schwarz-weiße Zeichnung vor einem Streifen aus Gouache; als ein Gewirr aus Kohlefäden. Manchmal zerstöre sie ein Bild und seine Stimmungen, indem sie es übermale, erzählt von Werz. Auswahl und Hängung der Bilder tragen entscheidend zum sich entwickelnden Eindruck dieser erstaunlichen Werkschau bei. Wie wenn man etwas verinnerlicht, indem man es sich von neuem vorsagt, so lernt man beim Durchlaufen der Ausstellung, die Bilder in ihren Variationen zu lesen und zu verstehen.</P><P>"Dompteuse" heißt die kleine Terracotta-Skulptur, eine nackte, sich räkelnde Venus, in deren Schoß ein Tier liegt. Eine Venus befindet sich auch im Vordergrund vieler Bilder. Diese Figur nicht als "Stillleben" darzustellen, sondern sie in Bezug zu einer Landschaft zu bringen, sei ihr wichtig, sagt von Werz. Dass sie beim Betrachter individuelle Assoziationen hervorrufe, Stimmungen transportiere.</P><P>Die Schau der 1940 geborenen Künstlerin umfasst 26 Jahre. Die frühen Bilder sind noch vergleichsweise düstere Landschaftsansichten und Selbstbildnisse. Das älteste Exponat jedoch ist ein Film: Poccis Kasperle-Stück von Persea und Krokodilus. Von Merz hat es 1978 als "Die Verwandlung" im Chiemgau mit ihrer Familie inszeniert - als wunderschönes, verwunschenes wie humoristisches Märchen.<BR></P><P>Bis 28. November, täglich ab 10 Uhr, montags geschlossen; Tel. 089/ 23 32 11 94. </P>

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