Zugunglück an Bahnübergang in Penzberg: Eine tote Person

Zugunglück an Bahnübergang in Penzberg: Eine tote Person

Veränderungen auf der Festplatte

- Wenn man Tradition nur noch alljährlich abhakt, wenn allein wechselnde Solisten Neuigkeitswert haben und die übrige Interpretation von der chorgemeinschaftlichen Festplatte abgerufen wird, ist es ja meist zu spät. Doch gottlob: Enoch zu Guttenberg (Naht der Altersstil?) wagt Veränderungen. Befreiter als sonst, druckloser tönte Bachs Weihnachtsoratorium im Prinzregententheater. Zumindest während der ersten drei Kantaten, als die Tempi flott waren, aber nie überreizt, als ansteckend beschwingt und an historischer Spielpraxis orientiert musiziert wurde.

<P class=MsoNormal>Der Chorgemeinschaft Neubeuern und dem exzellent besetzten Orchester der Klangverwaltung bekam diese Nonchalance, dieses Loslassen der Zügel gut. Eine Verzierung da, eine herausgehobene oder gegenläufige Nebenstimme dort, das alles lässt sich ja auch entspannt, ganz selbstverständlich betonen, ohne dass gleich die Ernsthaftigkeit der Aufführung gefährdet wäre. Schließlich muss nicht jede Sechzehntel mit Guttenberg'scher Bekenntnis-Intensität aufgeladen werden.</P><P class=MsoNormal>In den Kantaten vier bis sechs dann kleine Rückfälle: Chöre wie "Fallt mit Danken", das "Ehre sei dir Gott" oder die "Erleucht'"-Arie des Basses wurden in enges Musikkorsett verschnürt, Details der Partitur dabei geopfert. Und merkwürdig blieben während des gesamten Abends die Choräle: Phrasiert wurde zwar genau, doch wirkte vieles lapidar, wie absolviert. Immer wieder fiel der Klang in sich zusammen - wohl auch, weil der Chor zu matt, zu textundeutlich blieb.</P><P class=MsoNormal>Eine wahrlich schöne Bescherung die Solisten: Christiane Oelze sang nie soubrettig flach, sondern mit tief empfundenem, schwärmerischem Tonfall und brachte in ihre Arien eine reflektierende Dimension. Ebenso Klaus Mertens, dessen Bass-Soli Unerschütterlichkeit ausstrahlten. Barbara Hölzl blieb - trotz charaktervollem Mezzo - zu neutral. James Taylor fand als Evangelist mit hellem, kopfigem Timbre die richtige Mischung aus anteilnehmender Erzählung und klangvollem Gesang, seine Arien waren Lehrminuten in Sachen souveräner, inhaltlich "wissender" Gestaltung.</P><P class=MsoNormal>Am Ende Jubel, Trampeln und ein "Gesegnete Weihnachten!" des Chefs. Nächstes Jahr wieder, selbe Zeit, selber Ort - dann gern auch mit einer gelassenen zweiten Halbzeit.</P>

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