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Der Schöpfer, John Lasseter von Walt Disney und Pixar, und ...

Verbeugung vor Hollywoods Vermarktungsstrategie

Auftakt mit dem Streifen „Up“: Die Filmfestspiele von Cannes in Zeiten der Wirtschaftskrise – „3 D“-Technik soll Zuschauer anlocken

Es ist schon eine sehr merkwürdige Erfahrung, in einem Kino gemeinsam mit rund 1500 weiteren Leuten zu sitzen, die allesamt eine große dunkle Sonnenbrille aufhaben. So zumindest sieht es aus, das ziemlich dicke Gestell aus rostrotem Plastik, das gestern Abend den Premierengästen von Cannes ausgehändigt wurde, zur Eröffnung der 62. Ausgabe des wichtigsten Filmfestivals der Welt.

... sein Geschöpf, das in „Up“ zu sehen ist.

Erstmals in der Geschichte des noblen Festivals eröffnete man mit einem Animationsfilm und erstmals mit einem Film in jener seltenen „3 D“-Technik. „3 D“ steht für „drei Dimensionen“, und tatsächlich rückten einem schnell Teile des Kinobildes nahe an den Körper. Gezeigt wurde der Film „Up“ von Pete Docter („Monsters Inc.“). Doch wichtiger ist in diesem Fall, dass „Up“ aus dem Hause Disney stammt, von den Spezialisten der Pixar-Studios. Diesem Film den Status der Eröffnung eines so kunstorientierten Festivals wie Cannes zu geben, ist nicht nur eine Anerkennung einer der vielen Dimensionen des Kinos. Es ist auch eine Verbeugung des Festivals vor den Marketing-Interessen Hollywoods, ein Zeichen, wie hart der Kampf hinter den glamourösen Kulissen ausgetragen wird: Denn mitten in der Weltwirtschaftskrise, die auch die Filmbranche erfasst hat, soll „3 D“ die neue Wunderwaffe sein, ein Alleinstellungsmerkmal des Kinos, um weiterhin den Vorsprung vor DVD und You-Tube zu behaupten.

Dabei ist „3 D“ keineswegs neu. Bereits Alfred Hitchcock drehte 1954 „Bei Anruf Mord“ mit diesem Verfahren, und immer wieder hat man versucht, es zum Erfolg zu führen – aber das Publikum nahm die Technik nicht an und klagte über Kopfweh. Jenseits des technischen Gimmicks bleibt „Up“ ein banaler Trickfilm. Ein alter Mann, der zeitlebens vergeblich vom großen Abenteuer träumt, findet es dann am Ende doch.

Während die Wirtschaftskrise in Cannes ihre Spuren hinterlässt – die Zimmerpreise sind etwas gesunken, aber immer noch sündteuer, bei den Partys gibt es Lachs statt Kaviar, und der Filmmarkt rechnet mit 20 Prozent weniger Fachbesuchern – sieht das Programm künstlerisch blendend aus: So erwartet man Penelope Cruz mit blonder Perücke im neuen Film des Spaniers Pedro Almodóvar, Quentin Tarantino mit „Inglorious Basterds“, Michael Haneke mit seinem ersten Kostümfilm und Lars von Trier mit „Antichrist“. Besonders viele Asiaten sind vertreten – allen voran Korea mit sechs Filmen. Während gestern also alle von „3 D“ reden, geht es ab heute um die vierte Dimension, auf die man sich in Cannes noch immer am meisten verlässt: die Kunst. In den zwölf Tagen winkt dem besten Film die Goldene Palme.

Von Rüdiger Suchsland

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