Verbissener Ingrimm

- Er ist seit gut drei Jahren die angesagte Exotik-Neuheit im internationalen Festival-Karussell: der Anglo-Inder Akram Khan, seit 2000 eigenständiger Compagnie-Chef, seit 2003 auch Associate Artist der Londoner Royal Festival Hall, einer der wenigen Tollkühnen, die eine Synthese zwischen indischem und zeitgenössischem Tanz versuchen und damit fast zwangsweise - so viel Neues gibt es ja nicht auf dem Tanzmarkt - Objekt der Begierde eines jeden Veranstalters ist.

<P>Nun also Khans hochgelobtes Stück "Ma" (auf Hindi "Mutter"/ "Erde") bei Münchens Dance. Links auf der Carl-Orff-Saal-Bühne, der indische Musiker, der seine rrr-prallen Rhythmus-Silben zur Tanz-Anfeuerung gleich schon zu Beginn dermaßen penetrant laut ins Mikro knattert, dass man Schreckliches ahnt. </P><P>Und genau so kommt's: Hier wird gewalttätig getanzt. Zu der dann rhythmisch wie melodisch nervend - aber wie! - eintönigen, fast durchgehend klang-abtötend verstärkten Komposition von Riccardo Nova für Percussion, Cello und islamischen Gesang jagen sieben Tänzer über die Bühne in einem Affentempo, und wenn auf allen Vieren, tatsächlich so lautlos supergeschmeidig wie diese haarige Spezies.</P><P>Khan hat Kathak studiert, den Tanzstil des in geschichtlicher Zeit islamisierten Norden Indiens. Und die pointiert raumgreifende Eigenschaft dieses Stils, seine Wirbel- und Dreh-Lust fließen hier ein. Aber wozu? Kein Charisma, kein Ausdruck - es sei denn der verbissene Ingrimm der Tänzer, einen Akrobato-Hochleistungs-Akt abzuliefern. Einmal erzählt Khan am Mikro eine Mutter-Kind-Anekdote und zwei Tänzerinnen brabbeln - unverständlich, warum dies kopfüber sein muss - irgendetwas von Gärten und Bäumen. Damit meint Khan, das Thema "Ma" abgedeckt zu haben. Ach ja, an senkrechten Seilen hängen auch noch auf Bodenhöhe kleine Säckchen: Da muss wohl Erde drin sein.<BR></P>

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